Wirtschaft

Umfragedaten belegen: Testamentsspenden unverzichtbar im Spendengefüge

Wien (OTS) – Aktuelle Zahlen zeigen: Testamentsspenden sind längst
keine
Nischenform des Gebens mehr. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur
Finanzierung gemeinnütziger Anliegen sämtlicher Wirkungsbereiche. Der
International Legacy Giving Day am 13. September hebt die wachsende
Bedeutung von Erbschaften für den guten Zweck hervor. Zu diesem
Anlass sagen die gemeinnützigen Initiativen Vergissmeinnicht (
Österreich), Allianz für das Gemeinwohl (Schweiz) und Nachlass-Portal
(Deutschland) Danke.

In vielen europäischen Ländern machen sinkende Geburtenzahlen und
mehr Einpersonenhaushalte die Frage der Nachlassregelung
gesellschaftlich immer relevanter. Doch nicht nur in Österreich, auch
in Deutschland und der Schweiz ist die Vorsorge per Testament noch
wenig verbreitet: Erst rund ein Drittel der Menschen über 40 Jahre im
DACH-Raum hat seinen Nachlass testamentarisch geregelt. Gleichzeitig
zeigt sich international der Trend, dass immer mehr Menschen mit
ihrem Vermögen über das eigene Leben hinaus Gutes bewirken möchten.
Sie bedenken in ihrem Testament soziale, humanitäre, ökologische,
kulturelle oder andere gemeinnützige Zwecke und hinterlassen damit
über den eigenen Tod hinaus etwas für das Gemeinwohl.

Zwtl.: DACH-Raum: Bedeutung von Erbschaften für gemeinnützigen Sektor
stark gestiegen

Daraus resultieren laut der ERNOP-Studie „Philanthropy in Europe“
europaweit jährlich mindestens 8,4 Mrd. Euro für gemeinnützige
Zwecke. Das sind 8 % aller Spenden in Europa. Noch höher ist der
Anteil im DACH-Raum: In Österreich wurden 2025 nach Berechnungen des
Fundraising Verband Austria 122 Mio. Euro testamentarisch für
gemeinnützige Zwecke vererbt. Damit stammt mittlerweile fast jeder
neunte Spendeneuro aus einem Testament (rund 12 % der Gesamtspenden).
Über die vergangenen zehn Jahre hat sich das Testamentsspenden-
Aufkommen in Österreich mehr als verdoppelt.
Die Schweiz weist den höchsten Anteil an Legaten im DACH-Raum auf:
Laut dem Schweizer Spendenreport der Stiftung Zewo erhielten die Zewo
-zertifizierten Hilfswerke zuletzt rund 18,3 % der gesamten Einnahmen
aus Legaten. Einer Erhebung der Schweizer Allianz für das Gemeinwohl
bei über 70 gemeinnützigen Organisationen nach stammt sogar jeder
vierte Spendenfranken aus einem Testament. Das deutsche Nachlass-
Portal führte ebenfalls eine Befragung durch, mit dem Ergebnis, dass
Vermächtnisse unter den Mitgliedsorganisationen derzeit rund 10 % des
Spendengefüges ausmachen.
„Die aktuellen Daten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz
zeigen ein gemeinsames Bild: Testamentsspenden sind fixer Bestandteil
des Spendengefüges und gewinnen weiter an Bedeutung –laut Studie der
Europäischen Kommission werden die vererbten Vermögenswerte in den
kommenden Jahrzehnten stark zunehmen“ , weiß Ruth Williams,
Geschäftsführerin Fundraising Verband Austria .

Zwtl.: Wachsendes Interesse, aber auch großer Informationsbedarf in
der Bevölkerung

Das Interesse an Testamentsspenden ist deutlich gestiegen.
Gleichzeitig besteht eine große Lücke zwischen Bereitschaft und
Umsetzung, denn bei der erbrechtlichen Gestaltung sind für viele
Menschen noch zentrale Fragen offen: Wie kann eine gemeinnützige
Organisation rechtswirksam bedacht werden? Was gilt es bei der
Testamentserrichtung zu beachten? Und wie stellt man sicher, dass der
eigene letzte Wille später auch umgesetzt wird? Umso wichtiger ist
neutrale und flächendeckende Information – eine Aufgabe, der sich in
Österreich die Initiative Vergissmeinnicht gemeinsam mit der
Österreichischen Notariatskammer widmet.
Wie groß das Potenzial tatsächlich ist, zeigt der Blick auf die
Bevölkerung: In Österreich können sich rund 20 % der über 40-Jährigen
vorstellen, einmal ihr Vermögen oder einen Teil davon gemeinnützigen
Zwecken zu hinterlassen. Aber nur in 2 % der Testamente ist derzeit
ein gemeinnütziger Zweck verankert. Ein ähnliches Bild zeigt sich in
Deutschland. Anders in der Schweiz: Laut einer Umfrage bei 1000
Personen im Auftrag der Schweizer Allianz für das Gemeinwohl
berücksichtigt bereits jedes fünfte Testament in der Schweiz eine
gemeinnützige Organisation.
„Mit ein Grund für die steigende Bereitschaft in der österreichischen
Bevölkerung ist sicher die kostenlose und neutrale Aufklärungsarbeit
der Initiative Vergissmeinnicht. Über Informationsabende in allen
Bundesländern gemeinsam mit lokalen Notar:innen, einen
Erbrechtsratgeber, einen Testamentsleitfaden oder einen Online-
Testamentsrechner informiert die Plattform auf
www.vergissmeinnicht.at seit 2012 darüber, was beim Testament und
beim Wunsch nach einer gemeinnützigen Erbschaft beachtet werden
sollte“ , gibt Markus Aichelburg, Leiter der Initiative
Vergissmeinnicht , Einblick.

Zwtl.: Was Menschen bewegt, über das eigene Leben hinaus zu geben

Die Motive für Testamentsspenden sind stark von persönlichen
Werten geprägt und unterscheiden sich von Land zu Land. In Österreich
steht der Wunsch im Vordergrund, über das eigene Leben hinaus Gutes
zu bewirken (56 %). Für 38 % ist der persönliche Bezug zu einer
bestimmten Organisation entscheidend, während 36 % verhindern
möchten, dass ihr Vermögen an den Staat fällt. Dies verdeutlicht eine
Besonderheit von Testamentsspenden: Sie entstehen häufig aus einer
langjährigen Verbundenheit mit einer Organisation und sind damit auch
Ausdruck des Vertrauens in deren Arbeit. Bei den Herzensanliegen von
Testamentsspender:innen steht in Österreich der Tierschutz an erster
Stelle, gefolgt von Gesundheit, Pflege und Sozialem sowie der Hilfe
für Kinder und Jugendliche.

Zwtl.: International Legacy Giving Day: gemeinsam sichtbar machen

Der International Legacy Giving Day am 13. September bietet
weltweit Anlass, den Menschen zu danken, die mit einer
Testamentsspende über ihr eigenes Leben hinaus Gutes bewirken, und
gleichzeitig über diese Möglichkeit des gemeinnützigen Engagements zu
informieren. Der Aktionstag wird seit 2011 jährlich am 13. September
begangen und von Testamentsspenden-Initiativen und gemeinnützigen
Organisationen in zahlreichen Ländern aufgegriffen.
Markus Aichelburg : „Ein Testament kann weit mehr regeln als die
Weitergabe von Vermögen an die nächste Generation. Es kann auch
festhalten, welche Werte, Anliegen und Hoffnungen über das eigene
Leben hinaus Bestand haben sollen. Immer mehr Menschen bedenken
deshalb in ihrem Testament neben der Familie auch eine gemeinnützige
Organisation.“