Wirtschaft

Junge Stimmen, digitale Räume und lebendige Demokratie: Junge Menschen wollen Zukunft mitgestalten

St. Pölten (OTS) – Wie wollen junge Menschen in Niederösterreich
künftig leben, lernen,
arbeiten und mitentscheiden? Wie entstehen politische Meinungen in
einer Welt von sozialen Medien, Algorithmen und künstlicher
Intelligenz? Und was braucht es, damit junge Menschen Vertrauen in
Demokratie haben und Verantwortung übernehmen? Diesen Fragen widmete
sich das dritte Zukunftsgespräch der Initiative „Mein Land denkt an
morgen“ am gestrigen Donnerstagabend in Krems. Unter dem Titel „ Wer
wollen wir morgen sein? Junge Stimmen, digitale Räume und lebendige
Demokratie“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Jugend,
Wissenschaft und Bildung gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und
Teilnehmern über die Zukunft der jungen Generation in
Niederösterreich.

Die Zukunftsgespräche sind das Herzstück der Zukunftsinitiative
„Mein Land denkt an morgen“ des Landes Niederösterreich. Sie bringen
wissenschaftliche Erkenntnisse, die Perspektiven der Bürgerinnen und
Bürger und Erfahrungen aus der Praxis zusammen und schaffen damit
eine Grundlage für die weitere Arbeit an zentralen Zukunftsfragen des
Landes.

Den wissenschaftlichen Ausgangspunkt des Abends bildeten aktuelle
Ergebnisse aus dem Demokratieradar und der Befragung
niederösterreichischer Schülerinnen und Schüler.
Politikwissenschafterin Dr. Katrin Praprotnik zeigte, wie junge
Menschen ihre persönliche Zukunft, Demokratie und politische
Beteiligung einschätzen.

Die Daten zeigen ein differenziertes Bild: Unter den bis 29-
Jährigen stimmen 83 Prozent der Aussage sehr oder eher zu, dass
Demokratie trotz ihrer Probleme besser ist als jede andere
Regierungsform. 69 Prozent beurteilen ihr Funktionieren in Österreich
als sehr oder eher gut. Gleichzeitig ist das Vertrauen in die Politik
deutlich zurückhaltender. „Die junge Generation steht der Demokratie
grundsätzlich positiv gegenüber. Zustimmung zur Demokratie bedeutet
aber nicht automatisch Vertrauen in Politik oder aktive Beteiligung.
Entscheidend ist deshalb, jungen Menschen nachvollziehbare
Information, konkrete Möglichkeiten zur Mitgestaltung und das Gefühl
zu geben, dass ihre Beteiligung tatsächlich etwas bewirken kann“,
erläuterte Praprotnik.

Mit Hannah Scheidl, Bundesschulsprecherin, kam die Perspektive
junger Menschen unmittelbar auf die Bühne. Im Mittelpunkt standen
ihre Erwartungen an Schule, Ausbildung und Politik sowie die Frage
nach echter Mitsprache: „Junge Menschen wollen nicht nur gefragt
werden, wenn es ausdrücklich um Jugendthemen geht. Wir wollen bei
jenen Entscheidungen mitreden, die unseren Alltag und unsere Zukunft
betreffen. Entscheidend ist, dass Mitsprache ernst gemeint ist und
junge Menschen merken: Meine Stimme wird gehört und kann tatsächlich
etwas verändern.“ Auch die Schülerbefragung zeigt konkrete
Vorstellungen von der Zukunft: 76 Prozent geben an, später auf jeden
Fall oder eher heiraten zu wollen; eine klare Mehrheit kann sich auch
eigene Kinder vorstellen.

Wie politische Meinungen unter den Bedingungen von Social Media
und künstlicher Intelligenz entstehen, beleuchtete Julia Eisner, AI
Expert & Academic Collaboration Lead bei der AI Factory Austria.
Eisner arbeitet unter anderem an der Verbindung von Demokratiebildung
und künstlicher Intelligenz: „Digitale Räume sind längst ein
zentraler Ort, an dem sich junge Menschen informieren, austauschen
und Meinungen bilden. Künstliche Intelligenz kann dabei enorme
Chancen eröffnen, gleichzeitig müssen wir verstehen, wie Algorithmen
Informationen auswählen und beeinflussen. Medien- und KI-Kompetenz
werden deshalb zu einer demokratischen Schlüsselkompetenz: Wer
Mechanismen versteht, kann Informationen besser einordnen und
selbstbestimmter entscheiden.“

Michael Stadlmann, Co-Founder des Innovation Circle und
ehemaliger europäischer Jugenddelegierter, brachte Erfahrungen aus
Jugendbeteiligung und generationenübergreifenden Dialogformaten ein.
Stadlmann setzt dabei auf ein Miteinander: „Junge Menschen engagieren
sich dann, wenn Beteiligung niederschwellig ist und sie sehen, dass
daraus tatsächlich etwas entsteht. Es braucht Räume, in denen junge
und erfahrene Stimmen auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch kommen.
Beteiligung funktioniert nicht dadurch, dass man über junge Menschen
spricht, sondern indem man ihnen Verantwortung zutraut und gemeinsam
mit ihnen gestaltet.“

An diesen Punkten knüpfen auch bestehende Initiativen des Landes
an: Niederösterreich hat als einziges Bundesland die Funktion von
Jugendgemeinderätinnen und Jugendgemeinderäten in allen 573 Gemeinden
gesetzlich verankert. Mit 285 NÖ Jugend-Partnergemeinden werden
darüber hinaus konkrete Beteiligungsmöglichkeiten vor Ort gestärkt.
Gleichzeitig setzt das Land mit seiner KI-Strategie und dem
Schwerpunkt „digiBILDUNG“ auf die digitalen Kompetenzen junger
Menschen und damit auf die Voraussetzungen für einen selbstbestimmten
und verantwortungsvollen Umgang mit neuen Technologien.

Moderiert wurde der Abend von Friedrich Faulhammer, Leiter der
Zukunftsinitiative „Mein Land denkt an morgen“: „Wer über die Zukunft
Niederösterreichs spricht, muss vor allem jenen zuhören, die diese
Zukunft am längsten erleben werden. Genau dafür schaffen die
Zukunftsgespräche Raum. Wir bringen wissenschaftliche Erkenntnisse,
die Erfahrungen junger Menschen und die Perspektiven aus der Praxis
zusammen. Es geht nicht darum, Zukunft für junge Menschen zu
entwerfen, sondern sie gemeinsam mit ihnen zu gestalten.“

Das dritte Zukunftsgespräch in Krems war Teil einer Reihe von
insgesamt fünf Zukunftsgesprächen, die 2026 in den Regionen
Niederösterreichs stattfinden. Die Ergebnisse aus der Diskussion, den
Publikumsrückmeldungen und den wissenschaftlichen Analysen fließen in
die weitere Arbeit der Initiative „Mein Land denkt an morgen“ ein.
Ziel bleibt es, zentrale Zukunftsfragen gemeinsam zu diskutieren und
daraus konkrete Ableitungen für Politik, Verwaltung und Gesellschaft
zu entwickeln.

Weitere Informationen zur Zukunftsinitiative und zu den
Ergebnissen der Zukunftsgespräche unter www.meinlanddenktanmorgen.at
.

Nähere Informationen: Mag. Friedrich Faulhammer, Amt der NÖ
Landesregierung Landesamtsdirektion / Zukunftsforschung, Telefon:
02742/9005-15334, E-Mail: [email protected] .