Wien (OTS) – Die italienische Schriftstellerin Dacia Maraini ist
diesjährige
Preisträgerin des Ehrenpreises des Österreichischen Buchhandels für
Toleranz in Denken und Handeln, wie von Benedikt Föger, dem
Präsidenten des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels, bei
einem Mediengespräch am 15. September verlautbart wurde.
Der Ehrenpreis ist die höchste Auszeichnung, die der
österreichische Buchhandel zu vergeben hat. Er wird seit 1990 an
Personen vergeben, die sich in ihrem Werk und durch ihr Engagement
für Toleranz in Bezug auf sprachliche sowie kulturelle Vielfalt in
herausragender Art und Weise eingesetzt haben und somit einen Beitrag
zu einem friedlichen Miteinander in Europa geleistet haben. Er wird
vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels ausgerichtet.
„Mit Dacia Maraini ehren wir 2026 eine Schriftstellerin, die der
europäischen Idee durch ihr Leben und ihr Werk eine unverwechselbare
Stimme gegeben hat. Geboren 1936 in Fiesole, erlebte sie als Kind
Krieg, Verfolgung und Internierung in Japan, wohin ihre Familie vor
dem italienischen Faschismus geflohen war. Diese Erfahrungen prägten
ihr tiefes Verständnis für Freiheit, Menschenwürde und Verantwortung.
Seit mehr als sechs Jahrzehnten zählt Dacia Maraini zu den
bedeutendsten Autorinnen Italiens. In Romanen, Erzählungen, Gedichten
und Theaterstücken hat sie jenen eine Stimme verliehen, die allzu oft
übersehen werden: Frauen, Ausgegrenzten, Benachteiligten und den
Opfern von Gewalt. Ihr großes politisches Engagement, vor allem für
Frauenrechte und Gleichberechtigung, und die Thematisierung der
unterschiedlichen Formen sexueller Gewalt sind in ihren Werken durch
ihre außergewöhnliche Fähigkeit präsent, individuelles Schicksal und
gesellschaftliche Fragen miteinander zu verbinden. Für ihr
literarisches Schaffen wurde sie unter anderem mit dem Premio Strega
ausgezeichnet.
Doch Dacia Maraini ist mehr als eine herausragende Erzählerin.
Sie ist eine unermüdliche Verteidigerin von Dialog, Bildung und
kultureller Offenheit. Ihre Texte überwinden Grenzen von Sprache,
Nation und Herkunft. Sie erinnern uns daran, dass Toleranz nicht
Gleichgültigkeit bedeutet, sondern die aktive Bereitschaft, den
anderen zu verstehen, Unterschiede anzuerkennen und Vielfalt als
Bereicherung zu begreifen.
Gerade in einer Zeit neuer Spannungen in Europa steht ihr Werk
für Humanität, Empathie und die Kraft des Gesprächs. Dacia Maraini
hat gezeigt, dass Literatur Brücken bauen kann, wo Vorurteile Mauern
errichten.
Der Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in
Denken und Handeln würdigt daher nicht nur eine große Autorin,
sondern eine europäische Stimme des Respekts, der Freiheit und des
friedlichen Miteinanders“, begründet HVB-Präsident Benedikt Föger den
Entscheid der Jury.
Zwtl.: Über Dacia Maraini
Dacia Maraini, eine der wichtigsten Stimmen Italiens sowie
feministische Pionierin. Geboren 1936 in Fiesole, aufgewachsen in
Japan und Sizilien. Aufgrund der antifaschistischen Haltung der
Eltern in einem japanischen Gefangenenlager interniert, frühe
Erfahrung von Hunger. Sie war eine der Ersten, die über Gewalt an
Frauen schrieb, begründete experimentelle Theater und reiste mit P.
P. Pasolini für Filmprojekte nach Afrika, schrieb Drehbücher u. a.
für Margarethe von Trotta. Bei Folio zuletzt erschienen: Die stumme
Herzogin (2020), Trio (2021), Tage im August (2024), Ein halber
Löffel Reis (2025).
Zwtl.: Bisherige Preisträger:innen
Der Preis wurde erstmals 1990 an Milo Dor vergeben, weitere
Preisträger:innen waren Viktor Frankl, Inge Merkel, Kardinal Franz
König, Gerhard Roth, Simon Wiesenthal, Hugo Portisch, H. C. Artmann,
Christine Nöstlinger, Sir Peter Ustinov, Josef Haslinger, Karl-Markus
Gauß, Ilse Aichinger, Konrad Paul Liessmann, Erich Hackl, Barbara
Frischmuth, Klaus Wagenbach, Martin Pollack, Paul Lendvai, Erika
Pluhar, Armin Thurnher, Alfred Komarek, Brigitte Hamann, Barbara
Coudenhove-Kalergi, Bischof Erwin Kräutler, Doron Rabinovici, Elif
Shafak, Ilija Trojanow, Francesca Melandri, A.L. Kennedy, Navid
Kermani, Miljenko Jergović, Philippe Sands, David Grossman und Eva
Menasse.
Zwtl.: Verleihung
Die feierliche Ehrung findet im Rahmen der Europäischen
Literaturtage in einer Matinee am Sonntag, den 22. November 2026 um
11:00 Uhr im „Klangraum Krems Minoritenkirche“ in Krems/Stein an der
Donau statt.
Zwtl.: Foto
Ein honorarfreies Foto von Dacia Maraini zur Verwendung mit
Angabe des Fotografen (c) Mauro Raffini finden Sie hier .