Enzenkirchen (OTS) – Dies ist eine gemeinsame Presseaussendung von
Agrargemeinschaft
Österreich (AGÖ) Bündnis Zukunft Landwirtschaft Verein
österreichischer Grünland und Rinderbauern (IG-Milch)
Die Kostenlawine überrollt unsere Landwirtschaft – und die Politik
schaut zu.
Seit der gemeinsamen Demonstration am 1. April sind die
landwirtschaftlichen Preise nicht entsprechend gestiegen,
gleichzeitig gibt es keine höheren Erträge. Im Gegenteil: Die Dürre
verschärft die Situation dramatisch. Immer mehr Betriebe werden bis
Jahresende tief in die roten Zahlen gedrückt, viele zum Aufgeben
gezwungen. So wird die Versorgungssicherheit in der Zukunft bewusst
massivst gefährdet.
Der Landwirtschaftsminister hat uns Unterstützung zugesagt. Das
angekündigte 240Millionen-Euro-Paket ist notwendig – muss aber
zielgerichtet eingesetzt werden.
IG Milch, AGÖ und das Bündnis Zukunft Landwirtschaft fordern daher
gemeinsam: Schluss mit Vertröstungen! Wir brauchen jetzt ein echtes,
wirksames Dürre Hilfspaket! Hinter uns stehen tausende Betriebe,
denen dieses Paket nicht ausreicht!
140 Millionen dürfen nicht versickern – sie müssen auf die Höfe!
Die vorgesehenen 140 Millionen Euro dürfen nicht einfach über eine
Entlastung bei den Sozialversicherungsbeiträgen abgewickelt werden.
Wir brauchen nachhaltige Unterstützung statt kurzfristiger
Buchhaltungstricks.
Das Geld muss als Inflationsausgleich in die GAP- und ÖPUL-Zahlungen
fließen.
Betroffene Ackerbau-Regionen benötigen Unterstützung bei
Betriebsmittel und besonders betroffene Grünlandregionen benötigen
direkte und rasche Hilfe für Futterzukäufe. Freihandelsabkommen und
unkontrollierte Importe müssen eingeschränkt werden, um die
angespannte Situation vor allem am Rindfleischmarkt nicht noch weiter
zu verschärfen.
Natur-, Umwelt- und Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif.
Wir fordern den vollen Inflationsausgleich der Bundesmittel. Jetzt!
Nicht irgendwann!
Nicht in vier Monaten über SVS-Beiträge. Nicht in zehn Monaten über
einen Zuschuss zur Hagelversicherung 2027.
Jetzt muss Futter gekauft werden. Jetzt laufen die Kosten davon.
Jetzt entscheidet sich, welche Betriebe diese Krise überleben.
Deshalb fordern wir:
· sofortige Auszahlung für bereits erbrachte Leistungen bei den GAP-
Zahlungen
· Vorziehen der Direktzahlungen auf September
· sofortige Dürrehilfe für die besonders betroffenen Betriebe
· Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie und Verarbeitung
Wir brauchen Liquidität auf den heimischen Höfen – nicht Versprechen
auf dem Papier!
Auch die Bundesländer sollen dazu ihren Beitrag leisten, schließlich
gehören Landwirtschaft und Katastrophenschutz zu den
Länderkompetenzen.
Der Minister hat uns am 1. April um unsere Unterstützung gebeten,
weil die Verhandlungen schwierig werden würden.
Wir zögern nicht. Wir sind da. Und wir werden kämpfen. Für unsere
Höfe. Für unsere Familien. Für unsere Lebensmittel. Für unsere
Kulturlandschaft. Für Natur und Umwelt.
Die Aussage des Finanzministers, wonach der Bund langfristig von
einer Gegenfinanzierung eines Dürre Hilfspakets profitieren würde,
ist angesichts der dramatischen Lage vieler Betriebe nicht hinnehmbar
und beweist mangelndes Problembewusstsein.
Während Bäuerinnen und Bauern ums wirtschaftliche Überleben kämpfen,
darf nicht darüber gesprochen werden, wie der Staat am Ende noch
profitieren kann.
Das ist zynisch. Das ist der falsche Weg. Und das akzeptieren wir
nicht.
Ein Klimaschutzgesetz ohne genaue Ankündigungen, ohne die
hauptbetroffenen Betriebe von Dürre miteinzubeziehen, verschafft noch
mehr Unsicherheiten statt Perspektiven.
Der Landwirtschaftsminister kämpft für ein Paket, das aus unserer
Sicht trotzdem bei Weitem nicht ausreicht – und gleichzeitig wird
öffentlich gegen die Landwirtschaft Stimmung gemacht.
Das ist zu viel, Herr Minister. Sie haben uns am 1. April dankend
empfangen und uns ermutigt, nicht aufzugeben. Wir nehmen Sie beim
Wort.
Wenn die Landwirtschaft jetzt nicht gehört wird, kommen wir gemeinsam
zur nächsten Demo. Und diese Demo wird nicht wie ein Kirtag am 1.
April enden.
Denn, dass Lebensmittel rund um die Uhr in den Regalen stehen, ist
keine Selbstverständlichkeit. Dahinter stehen Bäuerinnen und Bauern,
die jeden Tag arbeiten, investieren und das Risiko tragen.
Wer diese Landwirtschaft aufs Spiel setzt, muss auch mit den
Konsequenzen rechnen.
Daher fordern wir einen runden Tisch um das Aufbringen und den
Einsatz frischer Mittel zielgerichtet und rasch zu organisieren!
Außerdem erwarten wir eine grundlegende Neuausrichtung der
Agrarpolitik: Unsere Betriebe müssen künftig wirtschaftlich so
aufgestellt sein, dass sie auch ein Extremjahr wie dieses aus eigener
Kraft überstehen können. Und bei allen zukünftigen agrarpolitischen
Verhandlungen müssen aktive Bäuerinnen und Bauern als Praktiker und
Experten verbindlich mit am Tisch sitzen.
ALARMSTUFE ROT!
Keine Vertröstungen. Keine Alibi-Maßnahmen. Kein Warten bis 2027.
Jetzt braucht es echte Dürrehilfe.
Jetzt braucht es den vollen Inflationsausgleich.
Jetzt muss das Geld auf die Höfe!
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at