Wien (OTS) – „Die Arbeitslosigkeit steigt zwar weiter, aber wir haben
auch bei der
Beschäftigung Zuwächse. Darauf gilt es aufzubauen und die
Arbeitsmarktpolitik zukunftsfit aufzustellen“, sagt Jochen Danninger,
Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Bei den
gestern von Bundesministerin Korinna Schumann vorgestellten
arbeitsmarktpolitischen Zielvorgaben für das Arbeitsmarktservice (AMS
) gebe es dazu noch zu wenig wirksame Ansätze. „Die zentralen
Herausforderungen für den österreichischen Arbeitsmarkt wie
demografischer Wandel, Fachkräftemangel, digitale Transformation,
aber auch geopolitische Konflikte sind klar. Doch die präsentierten
Antworten darauf orientieren sich zu wenig an den tatsächlichen
Bedürfnissen der Betriebe“, kritisiert Danninger. Er ortet eine
Abkehr vom erfolgreichen Prinzip „Fördern und Fordern“. Themen wie
Leistungsmissbrauch, die die bisherigen Zielvorgaben auch
adressieren, kommen nicht mehr vor. Auch eine rasche Vermittlung ist
meist im Interesse der Arbeitslosen, hat aber keinen Vorrang mehr.
„Stattdessen bei der Beschäftigung von älteren Arbeitskräften
nach einem Bonus-Malus-System zu rufen, ist gerade in konjunkturell
schwierigen Zeiten der falsche Weg. Das wäre bürokratisch und
ungerecht. Die Beschäftigung von Frauen über 60 Jahre hat sich seit
2023 mehr als verdoppelt und das in der längsten Rezession seit 80
Jahren“, so Danninger.
Kritik übt er auch an den vorgesehenen teuren Programmen des
zweiten Arbeitsmarktes, besonders für ältere Arbeitslose ab 55
Jahren. Erwiesenermaßen wirksame und kostengünstigere Programme
fehlen in den Zielvorgaben. „Wir wissen, dass etwa die
Eingliederungsbeihilfe das wirksamste Förderinstrument insbesondere
bei Älteren darstellt, weshalb es sämtliche Experten gerade für
Arbeitslose im Alter von 55+ empfehlen. Ein Ausbau der
Eingliederungsbeihilfe wäre daher die weitaus bessere Maßnahme als
teure Programme, die am Bedarf der Unternehmen vorbeigehen“, so
Danninger.
Außerdem vermisst er konkrete Vorgaben zur wirksamen Bekämpfung
des regionalen und qualifikatorischen Mismatch zwischen Arbeitslosen
und offenen Stellen. „Dieser Mismatch wird in den Zielvorgaben zwar
erwähnt und damit ein wesentliches Problem erkannt. Aber es muss hier
mehr Flexibilität und Mobilität von Personen ohne familiäre
Verpflichtungen geben, damit die vielen offenen Stellen im Westen
besetzt werden können“, sagt Danninger.
Nachbessern bei Rot-Weiß-Rot-Karte notwendig
Außerdem fordert der WKÖ-Generalsekretär, die Arbeiten an der ins
Stocken geratenen Fachkräftestrategie wieder aufzunehmen und dabei
auch die Sozialpartner einzubinden. Ein wichtiger Bereich müsse dabei
qualifizierte Zuwanderung sein. „Wir wissen, dass wir die
Fachkräftelücke nur mit inländischen Arbeitskräften nicht schließen
können. Angesichts der demografischen Entwicklung sind Maßnahmen zur
leichteren Rekrutierung von Personen aus Drittländern unerlässlich“,
so Danninger. Dazu seien auch Nachbesserungen bei der Rot-Weiß-Rot-
Karte nötig. Wichtig sei dabei, die Rot-Weiß-Rot-Karte für
Arbeitskräfteüberlasser zu öffnen sowie ein Pilotprojekt für
volljährige Lehrlinge aus ausgewählten Drittländern zu starten. (
PWK407/DFS)