Wien (OTS) – Wien verfügt über rund 2.127 Hektar gewidmete
Betriebsflächen. Das
sind rund 5 Prozent der Stadtfläche. Aus der aktuellen Studie
„Zukunftsraum Produktion – Strategie für Gewerbestandort in Wien“
geht hervor, dass Wien bei gewerblichen und produktiven Flächen vor
einem Wendepunkt steht. „Flächen für Industrie-, Gewerbe- und
Produktionsbetriebe sind kein Nischenthema, sondern zentrale
Infrastruktur der Stadtwirtschaft. An ihnen hängt rund ein Drittel
der Wertschöpfung“, sagt Michael Pisecky, Obmann der Fachgruppe der
Immobilien- und Vermögenstreuhänder. „Ohne rasche Maßnahmen drohen
Flächenverluste, Investitionshemmnisse und eine weitere Abwanderung
der Betriebe“, warnt Pisecky.
Bestand als entscheidender Zukunftsfaktor
Der Wiener Immobilienmarkt, und somit auch der
Gewerbeimmobilienmarkt, ist stark vom Bestand geprägt. Darin liegt
neben dem größten Entwicklungspotenzial auch die größte
Herausforderung. Rund zwei Drittel der Gebäude entsprechen nicht mehr
den aktuellen Anforderungen und sind sanierungsbedürftig.
Gleichzeitig sind unbebaute Flächen knapp und werden mittelfristig
erschöpft sein. Aus Sicht der Fachgruppe liegt der Fokus daher klar
auf der Nachverdichtung sowie der funktionalen Umnutzung und
Revitalisierung bestehender Gebäude. Denn die Zukunft des Standorts
entscheidet sich im Bestand. Gleichzeitig steigt der Druck zur
energetischen und technischen Modernisierung des Bestands deutlich
an. Investitionen in Sanierung und Dekarbonisierung werden damit zu
einem wesentlichen Faktor für die Zukunftsfähigkeit von
Betriebsstandorten.
Mehr Rechtssicherheit nötig
„Komplexe und langwierige Genehmigungsverfahren, unklare rechtliche
Rahmenbedingungen – insbesondere beim Bestandsschutz – sowie ein
stark auf Neubau ausgerichtetes Baurecht bremsen Investitionen massiv
und verhindern oft notwendige Erneuerungen“, sagt Pisecky. „Was es
braucht, sind schnellere Verfahren, mehr Rechtssicherheit und
angepasste Regeln für Umbauten.“
Die Studie unterstreicht, dass die Wiener Immobilienwirtschaft
nicht nur Anbieter von Flächen ist, sondern ein zentraler Gestalter
der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt. Das macht die Branche zu
einem strategischen Partner für Standortpolitik und Stadtentwicklung.
Bereits heute zeigt sich eine Verlagerung von großflächigen
Produktionsanlagen in das Wiener Umland, da dort die Flächen
günstiger sind. „Es geht nicht nur um Immobilienmärkte, sondern um
die Sicherung von Wertschöpfung, Arbeitsplätzen und letztlich um die
wirtschaftliche Zukunft Wiens“, so Pisecky.
Die Fachgruppe fordert folgende Verbesserungen:
1. Rechtssicherheit und klare Widmungen, damit Investitionen planbar
werden.
2. Beschleunigte Genehmigungsverfahren, insbesondere für Um- und
Ausbau im Bestand.
3. Gezielte Förderungen für Sanierung und Dekarbonisierung.
4. Transparente Flächeninformationen für Eigentümer, Entwickler und
Betriebe.
5. Schutz produktiver Flächen vor der Verdrängung durch nicht-
betriebliche Nutzungen.