Westbahn: Die europäische Bahnindustrie ist ein Oligopol – die Leidtragenden sind letztlich Fahrgäste

Wien (OTS) – Die Ankündigung der Westbahn, neue Doppelstockzüge des
Herstellers
CRRC auf der Weststrecke einzusetzen, hat Diskussionen über den
Wettbewerb in der Bahnindustrie entfacht. Dazu nimmt die Westbahn wie
folgt klar Stellung:

Derzeit gibt es keinen funktionierenden Wettbewerb in der
europäischen Bahnindustrie. Auf dem europäischen Markt für
Schienenfahrzeuge herrscht ein Oligopol weniger Zughersteller . Neue
Züge sind kaum verfügbar, denn die Wartezeiten betragen mittlerweile
viele Jahre. Gleichzeitig explodieren Preise, während individuelle
Wünsche und Innovationen bei Ausstattung oder Qualität kaum umsetzbar
sind. Diese Situation ist nicht mit jener der europäischen
Autoindustrie vergleichbar, die mit gänzlich anderen strukturellen
Herausforderungen zu kämpfen hat. Wer heute Züge kaufen will, hat
kaum Wahlmöglichkeiten, wartet Jahre und zahlt dafür einen horrenden
Preis, der durch den verknappten Wettbewerb diktiert wird. Das spüren
am Ende vor allem die Fahrgäste.

Mangelnder Wettbewerb schadet Bahnbetreibern und Fahrgästen

Solange es keinen funktionierenden Wettbewerb gibt, bleiben die
Preise hoch, die Auswahl gering und die Lieferzeiten lang. Die
Kapazitäten der europäischen Hersteller sind aufgrund von Aufträgen
in Milliardenhöhe für die nächsten Jahre voll ausgelastet. Im EU-
Bahnmarkt gibt es im Wesentlichen nur zwei große Hersteller aus
Frankreich und Deutschland sowie zusätzlich einen aufstrebenden
Anbieter aus der Schweiz.

Dieses Marktversagen zwingt Bahnbetreiber, nach Alternativen
Ausschau zu halten. Denn die Folgen – teure Züge, mangelnde
Innovationen und lange Lieferzeiten – treffen nicht allein die
Westbahn, sondern alle Eisenbahnverkehrsunternehmen und damit auch
die Fahrgäste.

Kein „Dammbruch“, sondern Chance auf echten Wettbewerb

Den Markteintritt eines neuen Herstellers als „Dammbruch“ zu
bezeichnen, ist sachlich falsch und wirtschaftlich kurzsichtig. Vier
Züge – oder selbst vierzig – sind angesichts eines europäischen
Gesamtmarkts mit tausenden Fahrzeugen völlig unbedeutend. Vielmehr
ist der Eintritt neuer Anbieter eine Chance: Nur durch Wettbewerb
entstehen kürzere Lieferzeiten, technische Weiterentwicklung und
faire Preise.

Politische Einflussnahme und Marktabschottung führen zu
Stillstand – zum Schaden von Fahrgästen und Steuerzahlern. Echter
Wettbewerb stärkt die europäische Bahnindustrie und hält sie
international konkurrenzfähig.

Die vier neuen Züge der Westbahn werden den europäischen Markt
nicht aus den Angeln heben. Aber sie können Impulse für mehr
Wettbewerb, Innovation und Zukunftsfähigkeit im Bahnsektor geben.