Transformation der Gasinfrastruktur: Regelwerk für Biomethan und Wasserstoff steht

Salzburg (OTS) – Die österreichische Gaswirtschaft ist auf
technischer Ebene bereit
für die Transformation hin zu Biomethan und Wasserstoff. „Das
Wasserstoff-Regelwerk hat bereits elf Richtlinien. Wir beherrschen
die Technik. Was fehlt ist der rechtliche Rahmen“, sagte ÖVGW-
Präsident Wagenhofer beim ÖVGW-Kongress in Salzburg.

Grüne Gase wie Biomethan und Wasserstoff können kommen. Denn
technisch ist alles angerichtet – sowohl für Biomethan als auch für
Wasserstoff. „Als ÖVGW haben wir in den vergangenen Jahren
vielfältige Tests und Untersuchungen mit mehr als 20 nationalen und
europäischen wissenschaftlichen Kooperationspartnern wie
beispielsweise den Technischen Universitäten Wien und Graz, oder der
Montanuniversität Leoben durchgeführt. Wir haben unsere Hausaufgaben
erledigt und in einen technischen Ordnungsrahmen gegossen. Stefan
Wagenhofer, Präsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas-
und Wasserfach (ÖVGW): „Bestehende Gasnetze sind nun größtenteils fit
für die zukünftige Gasversorgung. Für Biomethan ist das Netz bereits
heute geeignet, für Wasserstoff gibt es noch Ausbau- und
Adaptionsbedarf. Was nun noch fehlt ist der gesetzliche Rahmen: Das
Erneuerbare Gase Gesetz und die Verankerung von Wasserstoff im
Gaswirtschaftsgesetz (GWG), damit wir rasch mit dem Umrüsten der
Infrastruktur und der Integration Grüner Gase beginnen können.“ Und
Wagenhofer verweist darauf, dass „für den Ausbau der
Wasserstoffinfrastruktur in Österreich ein budgetneutrales
Finanzierungsmodell erarbeitet wurde, hinter dem die ganze Branche
steht und dessen gesetzliche Verankerung eine Grundlage für die
Wasserstoffzukunft ist“.

Was bei Gas funktioniert, funktioniert auch bei Wasserstoff
Ein zentrales Ergebnis der Regelwerksarbeit der vergangenen Jahre:
Die jahrzehntelange Erfahrung und große technische Expertise aus dem
Erdgasbereich lassen sich auf Wasserstoff übertragen. Das technische
Fundament für die Umstellung auf die grünen Gase ist fertig. Die
vorhandene, flächendeckende Gasinfrastruktur, die sich im
Erdgasbetrieb bewährt hat, kann auch für den Betrieb mit Wasserstoff
ertüchtigt und genutzt werden. Technisch ist die Transformation der
bestehenden Infrastruktur also machbar. Wagenhofer: „Wir als ÖVGW
sind startklar für die Umstellung auf Wasserstoff.“

Richtlinien für sicheren Wasserstoff-Einsatz
Der Ausbau des technischen Regelwerks für Biomethan und Wasserstoff
sowie weitere zertifizierte Produkte standen am Mittwoch, beim ÖVGW-
Kongress in Salzburg im Mittelpunkt. Sie definieren die technischen
Anforderungen und organisatorische Vorgaben für Errichtung, Betrieb
und Organisation von Wasserstoffleitungen und -anlagen. Somit hat die
ÖVGW die Grundlage für die sichere Planung und Genehmigung, den Bau
sowie den Betrieb der Wasserstoffinfrastruktur in Österreich
geschaffen. Das neue Wasserstoff-Regelwerk enthält aktuell elf
Richtlinien für den sicheren Einsatz von Wasserstoff.

Zertifizierte Produkte als Qualitätsgarantie
Neben dem Regelwerk zertifiziert die ÖVGW auch Produkte und
Unternehmen nach anerkannten Qualitätsstandards. Damit erhalten
Hersteller, Errichter und Betreiber eine verlässliche Orientierung,
welche Komponenten den hohen sicherheitstechnischen Anforderungen für
den Einsatz von Wasserstoff entsprechen.
Als 3. Säule neben Regelwerk und Zertifizierung erarbeitet die ÖVGW
auch Schulungen für den sicheren Umgang mit Wasserstoff. Aktuell im
Angebot: Basiswissen Wasserstoff sowie Kurse für Arbeiten an
wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen. Damit wird sichergestellt, dass
die notwendige Fachkompetenz für den wachsenden Wasserstoffmarkt zur
Verfügung steht.

Gase und Netze im Wandel
Die Förderung junger Fachleute ist der ÖVGW ein wichtiges Anliegen.
Deshalb verlieh sie den ÖVGW-Studienpreis für herausragende
wissenschaftliche Arbeiten beim diesjährigen ÖVGW-Kongress an
Stefanie Nägele für ihre „Techno-ökonomische Analyse zur Erweiterung
der Gasinfrastruktur um Wasserstoff am Beispiel Alpenrheintal“.
Der ÖVGW-Kongress machte heuer einmal mehr deutlich: Die
Transformation der Gasnetze ist in Österreich bereits in vollem
Gange. Mit dem kontinuierlichen Ausbau des Regelwerks, zertifizierter
Produkte und dem Schulungsangebot entlang der gesamten
Wertschöpfungskette schafft die ÖVGW die technischen und
organisatorischen Voraussetzungen dafür, dass Wasserstoff und andere
erneuerbare Gase ihre Rolle in der österreichischen Energiezukunft
sicher und verlässlich erfüllen können.

Über die ÖVGW
Die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW)
ist die unabhängige und freiwillige Interessenvertretung der
österreichischen Gasnetzbetreiber und Trinkwasserversorger. Zu ihren
Mitgliedern zählen alle Gasnetzbetreiber sowie mehr als 314
Unternehmen aus dem Wasserbereich. Über Kooperationen mit
Landesverbänden vertritt die ÖVGW mehr als 2.000 Wasserversorger, die
rund 80 Prozent der zentral versorgten Bevölkerung Österreichs mit
Trinkwasser beliefern.