Wien (OTS) – Anlässlich des Tags der pflegenden Angehörigen am 13.
September
fordert der Österreichische Gewerkschaftsbund deutlich mehr
Unterstützung für Menschen, die Familienmitglieder pflegen und
betreuen. Rund 950.000 Menschen in Österreich übernehmen diese
Verantwortung, die Pflege erfolgt dabei überwiegend durch Frauen.
„Pflegende Angehörige in Österreich leisten Unglaubliches – oft
still, oft unbezahlt, oft am Limit ihrer eigenen Gesundheit. Das
System ist auf sie angewiesen. Es wird Zeit, dass sie selbst stärker
im Mittelpunkt von Politik und Gesellschaft stehen“, sagt ÖGB-
Pflegeexpertin Martina Lackner.
Pflege darf nicht krank machen
Besonders zu Beginn einer Pflegesituation geraten berufstätige
Angehörige massiv unter Druck. Pflege, Beruf, Haushalt und Familie
gleichzeitig zu organisieren, führt häufig zu Überforderung. Laut dem
Bericht „Angehörigenpflege” im Auftrag des Sozialministeriums fühlen
sich rund 70 Prozent der pflegenden Angehörigen überlastet. Fast die
Hälfte der Pflegenden zu Hause gibt an, praktisch rund um die Uhr für
die gepflegte Person da zu sein.
„Pflege darf nicht dazu führen, dass Menschen ihre Erwerbsarbeit
einschränken, ihre Gesundheit aufs Spiel setzen oder völlig allein
gelassen werden“, betont Lackner. „Wir brauchen verlässliche und
leistbare Entlastung genau dann, wenn sie gebraucht wird – auch
abends, in der Nacht und am Wochenende“, so Lackner weiter.
Vereinbarkeit braucht konkrete Angebote
Der ÖGB fordert daher den raschen Ausbau von Entlastungsdiensten
und Ersatzpflege, bessere Möglichkeiten für Erholung sowie mehr
Beratungs-, Schulungs- und Trainingsangebote. Ebenso notwendig sind
psychosoziale Begleitung und wirksame Maßnahmen, um Pflege und Beruf
besser vereinbaren zu können.
„Menschen, die Angehörige pflegen, dürfen nicht als unsichtbare
Lückenfüller im Versorgungssystem betrachtet werden. Ihre Situation
ist eine Frage der gesellschaftlichen Anerkennung und der
Gerechtigkeit“, sagt Lackner abschließend. (tf)
Über uns:
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2
Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich. Gemeinsam mit seinen
sieben Gewerkschaften setzt sich der ÖGB als überparteiliche
Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und
Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein.
www.oegb.at