Wien (OTS) – Die heute veröffentlichten Arbeitsmarktdaten bestätigen
einen
besorgniserregenden Trend: Seit Monaten steigt die Arbeitslosigkeit
älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Gleichzeitig besteht ein
anhaltender Fachkräftemangel und zahlreiche Engpassberufe. Für den
Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) ist klar: Wer längere
Erwerbsbiografien fordert, muss endlich dafür sorgen, dass ältere
Menschen am Arbeitsmarkt auch faire Chancen erhalten. „Es ist
widersinnig, einerseits über fehlende Fachkräfte zu klagen und
andererseits erfahrene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer viel zu oft
vom Arbeitsmarkt auszuschließen. Wer von den Menschen verlangt,
länger zu arbeiten, muss auch die Unternehmen in die Pflicht nehmen.
Deshalb fordern wir ein Bonus-Malus-System, das Betriebe belohnt, die
ältere Beschäftigte einstellen und bis zur Pension im Unternehmen
halten, und jene stärker in die Verantwortung nimmt, die ältere
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer systematisch benachteiligen“,
erklärt PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer. ****
Arbeitsmarkt braucht Erfahrung statt Altersdiskriminierung
Die Arbeitsmarktdaten zeigen seit Monaten, dass ältere
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach einem Arbeitsplatzverlust
besonders schwer wieder eine Beschäftigung finden. Gleichzeitig wurde
erst gestern erneut darauf hingewiesen, dass in Österreich weiterhin
zahlreiche Fachkräfte fehlen und derzeit 51 Berufe als Engpassberufe
gelten. „Es ist ein Widerspruch, über Fachkräftemangel zu klagen und
gleichzeitig tausende erfahrene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
viel zu früh aus dem Erwerbsleben zu drängen. Gerade ältere
Beschäftigte verfügen über wertvolle Erfahrung und Qualifikation, die
unsere Wirtschaft dringend braucht“, so Gerstorfer.
Frauen dürfen nicht die Verliererinnen der Pensionsreform werden
Besonders problematisch sei die Situation älterer Frauen. Die
schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters müsse von wirksamen
Maßnahmen am Arbeitsmarkt begleitet werden. Andernfalls bestehe die
Gefahr, dass viele Frauen nicht länger in Beschäftigung bleiben,
sondern länger arbeitslos sind. „Wer das Pensionsalter anhebt, muss
gleichzeitig dafür sorgen, dass ältere Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer auch tatsächlich Arbeit finden und behalten können.
Alles andere führt zu sozialer Unsicherheit und verlagert die
Probleme lediglich vom Pensionssystem in die
Arbeitslosenversicherung.“
Bonus-Malus-System schafft faire Anreize
Der Pensionistenverband Österreichs fordert daher die rasche
Einführung eines Bonus-Malus-Systems für ältere Beschäftigte.
Das Modell des PVÖ beruht auf einem einfachen Grundsatz:
Unternehmen, die ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
beschäftigen und bis zum gesetzlichen Pensionsalter beziehungsweise
darüber hinaus im Betrieb halten, sollen finanziell belohnt werden.
Unternehmen hingegen, deren Anteil älterer Beschäftigter deutlich
unter einer branchenspezifischen Zielquote liegt, sollen einen
höheren Dienstgeberbeitrag zur Pensionsversicherung leisten.
Der PVÖ schlägt dazu branchenspezifische Zielquoten vor, die den
unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Wirtschaftszweige
Rechnung tragen. Gleichzeitig soll es Ausnahmen für körperlich
besonders belastende Berufe sowie für Kleinbetriebe mit weniger als
20 Beschäftigten und Start-ups geben. Die Einnahmen aus dem Malus
sollen zweckgebunden in die nachhaltige Stärkung des Pensionssystems
fließen.
„Unser Bonus-Malus-System ist kein Strafsystem, sondern ein
Anreizsystem. Es belohnt Unternehmen, die Verantwortung übernehmen,
und sorgt dafür, dass jene Betriebe, die ältere Beschäftigte
systematisch benachteiligen, einen fairen Beitrag zu den daraus
entstehenden gesellschaftlichen Kosten leisten.“
Unternehmen in die Verantwortung nehmen statt Pensionsalter
erhöhen
Für den PVÖ ist klar: Die Antwort auf die Herausforderungen des
Arbeitsmarktes liegt nicht in einer weiteren Anhebung des
gesetzlichen Pensionsalters, sondern in besseren
Beschäftigungschancen für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
„Wer ernsthaft will, dass Menschen länger arbeiten, muss endlich die
Voraussetzungen dafür schaffen. Nicht die Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer sind das Problem, sondern ein Arbeitsmarkt, der
Erfahrung noch immer zu wenig wertschätzt. Unser Bonus-Malus-System
setzt genau dort an, wo Personalentscheidungen getroffen werden – in
den Unternehmen. Es schafft Anreize, ältere Beschäftigte im
Erwerbsleben zu halten, stärkt den Arbeitsmarkt und trägt
gleichzeitig zur langfristigen Sicherung unseres Pensionssystems
bei“, so Gerstorfer abschließend.