Wien (OTS) – Der Klimawandel im Bereich Wasser ist auch im Westen
Österreichs
angekommen, dass zeigen auch aktuelle Medienberichte und
Informationen von Wasserversorgern z.B. aus Salzburg, Oberösterreich,
Kärnten und Tirol. Geringe Niederschlagsmengen und sinkende
Grundwasserstände stellen die Trinkwasserversorgung zunehmend vor
große Herausforderungen. Die Österreichische Vereinigung für das Gas-
und Wasserfach (ÖVGW) nimmt die aktuelle Situation zum Anlass und
fordert eine rasche Umsetzung zentraler Punkte aus dem
Regierungsprogramm, allen voran das Entnahmeregister samt
Aufzeichnungspflichten für alle Wasserentnahmen (nicht nur die
Wasserversorger) sowie die entschädigungsfreie Vorrangstellung der
Trinkwasserversorgung in Wassermangelsituationen.
Laut Wasserhaushaltsbericht 2025 des Bundesministeriums für Land-
und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz (BMLUK) weisen im
November 2025 rund 50 Prozent der Messstellen in Österreich niedrige
oder sehr niedrige Grundwasserstände auf. Bereits in den Jahren 2022
und 2023 lagen vielerorts die Grundwasserstände unter dem 100-
jährigen Tiefstständen. Sollte sich der derzeitige Trend fortsetzen
steuern wir 2026 auf eine vergleichbar angespannte Situation zu,
wobei dieses Mal nicht nur der Osten Österreichs, sondern Regionen im
ganzen Land betroffen sein könnten.
„Die Sicherstellung einer nachhaltigen Wasserversorgung ist eine
der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Eine schnelle Umsetzung
des treffenden und guten Regierungsprogramms, in dem die
entschädigungsfreie Vorrangstellung der Trinkwasserversorgung in
Wassermangelsituationen sowie Aufzeichnungspflichten für alle
Wasserentnahmen festgehalten sind, wird immer wichtiger. –
Wassermangellagen sind heute kein regionales Phänomen mehr sind,
sondern können mittlerweile in ganz Österreich auftreten“ , betont
Mag. Nikolaus Sauer , Vizepräsident der ÖVGW und Sprecher des
Wasserfaches.
Zwtl.: Versorgungssicherheit unter Druck
Die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen die Situation
zusätzlich. „Mit zunehmenden Klimawandel wird es stärkere
Schwankungen im Niederschlagsgeschehen geben und somit auch
zunehmende Schwankungen der Grundwasserstände und dadurch der
Verfügbarkeit von Wasser aus Brunnen und Quellen. Für die
Wasserversorger bedeutet das, dass die Wassergewinnung hinsichtlich
der quantitativen Verfügbarkeit herausfordernder wird“ , erklärte
Roman Neunteufel von der BOKU Wien im Rahmen einer
Studienpräsentation im September des vergangenen Jahres.
Die geringen Niederschlagsmengen des bisherigen Winters seien ein
deutliches Alarmsignal für die Versorgungssicherheit. „Die Versorgung
der Haushalte mit rund 130 Litern Trinkwasser pro Person und Tag muss
unter allen Umständen gewährleistet werden“ , so Sauer . Durch
bauliche Optimierungen in der Infrastruktur und im Leitungsnetz sei
die Versorgungssicherheit bereits erhöht worden. Dennoch brauche es
dringend klare gesetzliche Rahmenbedingungen für den Fall von
Wassermangel.
Zwtl.: Forderungen der ÖVGW
1.
Vorrangstellung der Trinkwasserversorgung bei Wassermangel
Die ÖVGW fordert die rasche Umsetzung des Regierungsprogramms, das
eine entschädigungsfreie Vorrangstellung der Trinkwasserversorgung in
Mangelsituationen vorsieht. „Im Fall einer Wassermangelsituation muss
es aus Gründen der Versorgungssicherheit der Bevölkerung unbedingt
möglich sein, andere Wassernutzer entschädigungsfrei in ihrem Recht
auf Wasserentnahme einzuschränken. Nur so kann eine sichere
Trinkwasserversorgung gewährleistet werden“ , erklärt ÖVGW-
Vizepräsident Sauer .
2.
Aufzeichnungspflicht für alle Wasserentnahmen
Zudem sei eine verpflichtende Aufzeichnung aller Wasserentnahmen aus
Grundwasserkörpern unerlässlich. „Besonders die
Aufzeichnungspflichten für alle Wasserentnahmen sind ein sehr
wichtiger Punkt, da wir als Wasserversorger derzeit nicht feststellen
können, wie viel Wasser aus einem Grundwasserkörper entnommen wird.
Verschiedene andere Wassernutzer sind derzeit von den
Aufzeichnungspflichten ausgenommen – wir sind hier quasi im Blindflug
unterwegs“ , sagt Sauer und ergänzt: „Wir müssen jetzt ins Handeln
kommen! Es ist eine zügige legistische Umsetzung des im
Regierungsprogramm verankerten Entnahmeregisters notwendig.“
Die ÖVGW appelliert daher an die Bundesregierung, rasch zu
handeln, um die langfristige Versorgungssicherheit mit Trinkwasser
für die Bevölkerung zu gewährleisten.
ÖVGW
Die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW)
ist die einzige, unabhängige und freiwillige Interessensvertretung
für die österreichischen Trinkwasserversorger. Sie zählt über 308
Unternehmen aus dem Wasserbereich zu ihren Mitgliedern. Über
Kooperationen mit Landesverbänden vertritt die ÖVGW mehr als 2.000
Wasserversorger. Diese beliefern rund 80% der zentral versorgten
Bevölkerung mit Trinkwasser. Das österreichische Trinkwasser wird zu
100 % aus Grundwasser (Brunnen und Quellen) gewonnen, welches
Großteils nicht aufbereitet werden muss. Für die ÖVGW steht daher der
Schutz des Grundwassers und die sichere Versorgung der Bevölkerung
mit gesundem, hochqualitativem Trinkwasser in Zeiten des Klimawandels
im Fokus.