Nachprüfungszeit:

Wien (OTS) – Für viele junge Menschen beginnt mit den bevorstehenden
Nachprüfungen
eine herausfordernde Zeit. Neben dem Lernstoff geht es oft um
Unsicherheit, Angst und das Gefühl, den Erwartungen nicht gerecht zu
werden. Die Belastung ist für Außenstehende nicht immer sichtbar:
Nicht alle haben ein unterstützendes familiäres System hinter sich.
Das Leben in verschiedenen familiären Konstellationen, etwa in Ein-
Eltern-Haushalten, Patchworkfamilien, bei Großeltern, in
Wohngemeinschaften oder eigenständig, kann die Nachprüfungszeit auf
unterschiedliche Weise beeinflussen und besondere Anforderungen mit
sich bringen.
Die Herausforderungen rund um Nachprüfungen können dadurch sehr
unterschiedlich sein, etwa wenn Unterstützung beim Lernen fehlt,
mehrere Kinder betreut werden müssen, verschiedene Sprachen
gesprochen werden oder wenig Zeit und Ressourcen vorhanden sind.

Wichtig ist: Jede Lebenssituation verdient Verständnis und
individuelle Unterstützung.

„Jede junge Person hat das Recht auf Unterstützung, unabhängig
davon, wie sie lebt. Es braucht flexible Hilfestellungen, die
unterschiedliche Lebensrealitäten anerkennen und stärken“, sagt
Christine Piriwe, Sozialpädagogin und Beraterin bei Rat auf Draht.

Die Wochen bis zur Nachprüfung sind für viele kein idealer
Lernsommer, sondern ein Balanceakt. Manche müssen sich weitgehend
selbst organisieren, weil zuhause wenig Ruhe oder Unterstützung
möglich ist. Andere erleben zusätzlichen Druck, weil Nachhilfe nicht
leistbar ist oder Bezugspersonen mit Anforderungen von Beruf, Alltag
und schulischer Begleitung gleichzeitig konfrontiert sind.

Konkrete Tipps der Expertin für die Nachprüfungsvorbereitung:

– Überblick gewinnen:
Zu Beginn empfiehlt es sich, alle Hefte, Bücher und Arbeitsblätter,
die für die Nachprüfung relevant sind, an einem Platz zu sammeln. Den
Lernstoff in Bereiche, was bereits gut beherrscht wird und wo noch
Übungsbedarf besteht gliedern und markieren. Eine Liste mit „Das kann
ich schon“ und „Das will ich noch üben“ verschafft Klarheit und
Orientierung.

– Machbarkeit statt Perfektion:
Kleine, erreichbare Ziele sind hilfreich, um Motivation und
Fortschritt zu fördern. Beispielsweise kann es sinnvoll sein,
zunächst nur einen Teil der Vokabeln zu lernen oder einige
Rechenaufgaben zu bearbeiten. Das Abhaken erledigter Aufgaben auf
einer Liste stärkt das Gefühl, etwas geschafft zu haben.

– Unterstützung suchen:
Gemeinsames Lernen und Unterstützung durch Mitschüler:innen,
Geschwister oder das soziale Umfeld tragen dazu bei, Lerninhalte
besser zu verstehen. Auch Angebote von Jugendzentren oder Online-
Plattformen bieten Unterstützung und Beratung, die in Anspruch
genommen werden können.

– Pausen einplanen und kleine Highlights schaffen:
Regelmäßige Pausen sind wichtig, um das Gelernte zu verarbeiten und
neue Energie zu tanken. Die Vorfreude auf kleine Belohnungen – wie
ein Treffen mit Freund:innen, einen Lieblingssnack oder Musik hören –
kann zusätzlich motivieren.

Was tun, wenn es trotz aller Vorbereitung nicht klappt?
Manchmal gelingt die Nachprüfung trotz großer Anstrengung nicht. Das
ist kein persönliches Versagen und kann viele Gründe haben. Wichtig
ist: Es gibt immer einen Weg und niemand muss damit allein umgehen.
Beratungsstellen wie Rat auf Draht können helfen. Oft kann ein Jahr
wiederholt werden, manchmal gibt es individuelle Lösungen wie einen
Schulwechsel oder andere Wege zum Abschluss.

Für Bezugspersonen ist wichtig:
Die Situation von jungen Menschen ernst nehmen, zuhören, und
Verständnis zeigen. Bereits kleine Hilfestellungen im Alltag oder ein
ermutigendes Wort können eine große Wirkung entfalten. Sollte die
Nachprüfung nicht erfolgreich verlaufen, ist ein ruhiger und
wertschätzender Umgang besonders wichtig. Gemeinsam nach alternativen
Wegen zu suchen und Zuversicht zu vermitteln, kann jungen Menschen
helfen, neue Perspektiven zu entwickeln.

„Manchmal geht ein Weg nicht auf Anhieb, aber es gibt immer eine
Lösung. Wichtig ist, dass junge Menschen erfahren: Sie sind nicht
allein und es gibt Unterstützung, auch wenn etwas schiefgeht“, so
Christine Piriwe.