Wien (OTS) – Die Kollektivvertragsverhandlungen für die bis zu
250.000
Beschäftigten im österreichischen Tourismus wurden von der
Wirtschafskammer Österreich (WKÖ einseitig abgebrochen, weil die
Gewerkschaft vida eine Abgeltung der rollierenden Inflation sowie
eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen gefordert hatte. Das Angebot
der WKÖ hätte den Beschäftigten Reallohnverluste gebracht.
Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner hat sich als
Brückenbauerin und Vermittlerin zwischen den Sozialpartnern angeboten
– die vida hat dies angenommen. Gestern, Donnerstag, fand ein
Gesprächstermin statt. Die Gewerkschaft hat dabei auch einen
umfassenden Fragenkatalog zur Situation und Zukunft des
österreichischen Tourismus sowie der in der Branche arbeitenden
Menschen übergeben und hofft auf eine rasche Beantwortung.
„Das heutige Gespräch ist in einem äußerst sachlichen und
konstruktiven Rahmen verlaufen. Frau Zehetner hat sich ausführlich
Zeit genommen, um den bisherigen Verlauf der Verhandlungen bis zum
Abbruch nachzuvollziehen. Einig waren wir uns beim
volkswirtschaftlichen Problem der hohen Personalfluktuation in der
Branche, dass es hier dringend geeigneter Maßnahmen bedarf“, sagt Eva
Eberhart, Vorsitzende des vida-Fachbereichs Tourismus und KV-
Verhandlungsleiterin für die Arbeitnehmer:innen. Die Gewerkschaft
habe gegenüber der Tourismusstaatssekretärin auch unterstrichen, dass
das Verhalten der WKÖ die Vision T gefährde und die finanzielle Lage
von 250.000 Beschäftigten in der Branche dramatisch sei.
„Wir zählen weiterhin auf den Brückenbau der Staatssekretärin,
denn die Beschäftigten dürfen nicht untergehen“, so Eberhart, die
bezüglich weiterer Verhandlungen jedoch skeptisch ist: „Ein neues
Angebot der WKÖ wird wohl auch Frau Zehetner nicht so einfach
bewirken können. Es stellt sich die Frage, ob die Arbeitgeber dazu
bewegt werden können, für die Kolleginnen und Kollegen in den
armutsgefährdeten Lohngruppen sowie für die Lehrlinge die
Reallohnkürzungen in ihrem letzten KV-Vorschlag wieder
zurückzunehmen.“
In dem an Zehetner übergeben Fragenkatalog will die vida etwa
konkret von der Tourismusstaatssekretärin, die sich als
Brückenbauerin angeboten hat, etwa wissen, warum sie zuvor trotz
Rekordumsätzen im Tourismus zur Lohnzurückhaltung aufgefordert habe
und ob die Beschäftigten in den Lohnverhandlungen nun auf die
konkrete Unterstützung Zehetners zählen könnten?
Der Anteil ausländischer Beschäftigter liege im Tourismus bereits
bei 60 Prozent. „Wie haben Sie angedacht bestehendes und neu
zugewandertes Tourismuspersonal vor Lohndruck, Ausbeutung und
schlechteren Arbeitsbedingungen zu schützen“, fragt die Gewerkschaft
weiter.
Die Branchendaten würden auch nahelegen, dass der Tourismus
keinen akuten Arbeitskräftebedarf hat. Warum setze sich die
Staatssekretärin, dann weiter dafür ein, dass der Zuzug aus
Drittstaaten weiter vorangetrieben wird? Können sich Arbeitsuchende
in Österreich darauf verlassen, dass sie nicht durch einen
günstigeren Beschäftigten aus einem Drittstaat ersetzt werden? Eine
Übersicht möchte die vida auch über jene Betriebe haben, die mit der
Rot-Weiß-Rot-Karte auf Drittstaatenarbeitskräfte zurückgreifen:
„Können Sie auch erläutern, wie in diesen Betrieben sichergestellt
werden konnte, dass keine Verdrängung von Arbeitssuchenden in
Österreich stattgefunden hat?“
Bezüglich der Verwendung öffentlicher Gelder möchte die
Gewerkschaft wissen, ob es möglich ist, der Öffentlichkeit einen
Überblick über jene Betriebe zu geben, die Coronahilfen erhalten
haben und die regelmäßig Beschäftigte beim AMS zwischenparken bzw.
Arbeitslosigkeit verursachen. Und ganz allgemein fragt die
Gewerkschaft auch. „In welcher Weise haben Sie vor, Betrug und
Fördermissbrauch im Bereich der Tourismusbranche bis 2030 zur
Entlastung der Allgemeinheit zu reduzieren?
Seitens der Gewerkschaft ist auch von Interesse, aus welchen
Gründen Betriebe, die Beschäftigte saisonal kündigen und später
wieder einstellen, bei Zahlungen in der Arbeitslosenversicherung
gleich behandelt werden wie Betriebe mit Ganzjahresarbeitsplätzen?
Der gesamte Fragenkatalog kann unter diesem Link abgerufen
werden: https://vida.at/tourismus-fragenkatalog