„Kindertage“ – eine Ö1-Sommerserie ab 2. August

Wien (OTS) – In der Ö1-Sommerserie „Kindertage“ blicken im August an
den fünf
Sonntagvormittagen Heinz Fischer (2.8.), Erika Pluhar (9.8.), Hubert
von Goisern (16.8.), Heide Schmidt (23.8.) und Tobias Moretti (30.8.)
jeweils ab 9.05 Uhr in den biographischen Rückspiegel.

Die frühen Lebensjahre prägen die meisten Menschen, und doch
werden sie nur selten erwähnt. An den August-Sonntagen jeweils um
9.05 Uhr auf dem Sendeplatz der „Gedanken“ erzählen Prominente von
ihrer Kindheit. „Meine ersten Erinnerungen sind stark geprägt vom
Garten meines Onkels in Wien-Hietzing. Ein großer Nussbaum, eine
Sandkiste, ein Schäferhund, trotz Krieges war es ein kleines
Paradies.“, erzählt Heinz Fischer, Bundespräsident a.D., am 2.
August. Fischer gesteht, dass er kein besonders braves Kind war.
„Eine Sache hat mir meine Mutter besonders übel genommen“, erzählt
der heute 87-Jährige. „Wir wohnten damals in Hietzing, im zweiten
Stock eines Hauses mit Balkon, wo die Wäsche zum Trocknen auf einer
Leine aufgehängt wurde. Eines Tages, als meine Mutter einkaufen war,
überredete ich unsere junge Haushaltshilfe, mich mit dieser Leine vom
Balkon abzuseilen. Unten angekommen, wollte sie mich wieder
hochziehen, doch auf halber Höhe verließen sie ihre Kräfte. In dem
Moment bog meine Mutter um die Ecke und sah ihren Sohn an einem
Strick vom Balkon baumeln. Vor Schreck ließ sie ihre Einkaufstasche
fallen und rannte hinauf, um mich sicher herunterzubringen. Danach
gab es ein Donnerwetter, wie ich es vorher und nachher nie wieder
erlebt habe.“

„Das erste Buch, das mich tief beeindruckt hat, war ‚Heidi‘ von
Johanna Spyri. In diesem selbstbewussten Mädchen aus den Schweizer
Bergen habe ich mich selbst wiedergefunden.“, sagt Erika Pluhar am 9.
August. In einem Holzhaus in Pfaffstätt hatten sie und ihre Familie
Zuflucht vor den Bombenangriffen in Wien gefunden. Im Gasthaus der
kleinen oberösterreichischen Gemeinde erlebte die spätere
Schauspielerin, Sängerin und Schriftstellerin ein prägendes
Kinoerlebnis. Der Film „Krambambuli“ erschütterte das kleine Mädchen
so sehr, dass ihre Mutter sie aus dem Saal bringen musste. Deren
Erklärung – „Das ist doch alles nur erfunden“ – wurde für Erika
Pluhar zur Schlüsselerfahrung: zur Entdeckung des Unterschieds
zwischen realer Angst und der erfundenen Welt der Kunst.

Die Kindheitserinnerungen des Musikers Hubert von Goisern handeln
am 16. August von Neugier, Mut und dem Reiz des Fremden,
Eigenschaften, die später auch seine Musik bestimmen sollten. 1952 in
Bad Goisern als Hubert Achleitner geboren, wollte er schon als
Fünfjähriger Dirigent werden. Zeitgleich entdeckte er den Wald neben
seinem Elternhaus als Spieloase für sich. „Ich war schon immer ein
Draufgänger. Schon als Bub machte ich mir daraus eine Mutprobe,
nachts durch das finstere Dickicht zu streifen. Anfangs pfiff ich
noch ängstlich vor mich hin, doch bald ging ich mutigen Schrittes im
Mondschein und erforschte diese Zauberwelt.“

Kindheit kann Abenteuer bedeuten, aber auch Haltung stiften. Bei
Heide Schmidt entstand sie in einem Haushalt, in dem Frauen
selbstverständlich das Zentrum bildeten. „Für mich war von klein auf
klar, dass Frauen ihren Weg auch ohne männliche Unterstützung gehen
können“, sagt die ehemalige Politikerin und Juristin. Sie verbrachte
ihre Kindheit mit Großmutter, Mutter und älterer Schwester.
„Konfliktfrei war das nicht“, räumt sie am 23. August ein, „ich habe
mit meiner Mutter viel diskutiert – wobei das fast schon
euphemistisch klingt. Wir haben schlicht gestritten, und das, fürchte
ich, nicht besonders konstruktiv. Aber aus diesem ständigen Zanken
ist auch meine Streitfähigkeit entstanden. Meine Schwester hat sich
solchen Auseinandersetzungen immer entzogen. Inzwischen sind wir
beide alt, und ich glaube, ich kann streiten – sie nicht.
Faszinierend, wie sich manche Lebenslinien ohne Bruch fortsetzen.“

Kindheitserinnerungen hängen oft an Gerüchen: an Speisen,
Kleidern, Sommerwiesen, Schulhäusern oder dem Zuhause von damals.
Auch Schauspieler Tobias Moretti erinnert sich am 30. August an
vertraute Düfte: „Der älteste Geruch ist für mich der von
Geborgenheit: nach Mama, Holz und Familie – und, weil ich die meiste
Zeit draußen war, auch ein bisschen nach Dreck und Benzin. Dazu
kommen Düfte, die es heute kaum noch gibt: bestimmte Wäschezusätze
etwa oder das Hausmittel meiner Mutter, mit dem sie uns vier Brüder
einrieb, wenn wir krank waren. Gefühlt waren wir danach sofort wieder
gesund.“ Und: „Ich war ein verträumtes Kind. Für mein Umfeld war das
manchmal anstrengend, weil die Fantasie mit mir durchgegangen ist.“
Das Programm von Ö1 im Detail ist abrufbar unter https://oe1.orf.at/
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