Imker*innen fordern mehr Biodiversität

Wien (OTS) – Die 30.000 österreichischen Imkerinnen und Imker sind
alarmiert.
Während in Regionen, in denen es regelmäßig regnet, im Hochsommer
noch genug Blühpflanzen sprießen, erwecken in Ostösterreich verdorrte
Flächen in Kiesbeeten, Parks und sogar in naturgeschützten Zonen das
Gefühl, durch eine Savanne zu gehen. Wolfgang Pointecker ist Obmann
von Biene Österreich, dem Dachverband der Erwerbs- und Freizeitimker*
innen. „Die Honigbiene, die immer wieder in den Stock zurückkehrt,
gibt Informationen an uns weiter, während die Wildinsekten einen
stillen einsamen Tod sterben.“

Zwtl.: „Pflegeleicht“ als Ursache des Futtermangels

Das Team von Biene Österreich macht auf veränderte
Pflanzstrategien vieler Kommunen aufmerksam. Als Reaktion auf immer
mehr Hitzetage wurden trockenheitsverträgliche Stauden-Gräser-
Mischungen in Grünanlagen und in sogenannten Saharabeeten neben
Straßen gepflanzt. „Aus aufgeheizten Kiesbeeten schauen im Juli ein
paar vertrocknete Grashalme, halt typisch Sahara“, sagt Wolfgang
Pointecker.

Zwtl.: Biene als Botschafterin der Insekten

Die Imker*innen besuchen wöchentlich ihre Völker bei den
Bienenstöcken. Der Tiroler Imker Reinhard Hetzenauer ist Obmann-
Stellvertreter von Biene Österreich, er ordnet die Beobachtungen der
Kolleg*innen ein. „Wir Imker bemerken Änderungen im Ökosystem
unverzüglich. Uns zeigen hungrige Honigbienen, wenn das
Nahrungsangebot in ihrem Einzugsgebiet dürftig geworden ist. Was alle
paar Jahre wissenschaftliche Insektenzählungen belegen, erkennen wir
sofort.“ Während die Imker*innen ihre Völker im Stock zufüttern
können, schwirren die Wildinsekten über dürre gemulchte Grasflächen
und heiße Kiesbeete.

Zwtl.: Blühpflanzen für alle Wildinsekten

Reinhard Hetzenauer rückt ein Bild zurecht. „Wer Bestäubern wie
Bienen, Hummeln oder Schmetterlingen einen Lebensraum bieten möchte,
kann Grünräume durch gesäte Blühpflanzen, verzögerte Mähtermine und
den Verzicht auf Mulchen fördern.“ Kommunen haben dabei durch die
Bewirtschaftung großer Flächen einen besonders starken Hebel.

Zwtl.: Naturnah im Privatgarten

Wer im eigenen Garten Gießwasser sparen, weniger arbeiten und
gleichzeitig etwas für die Artenvielfalt tun möchte, sollte folgende
Tipps beherzigen:

– Selten mähen, nicht zu kurz abschneiden. Dann können Blumen wachsen
und die Erde trocknet nicht so schnell aus.

– In Randbereichen und rund um Bäume oder Sträucher Grasinseln stehen
lassen.

– Nicht mulchen. Wer alle paar Wochen mulcht, häckselt mit dem Gras
auch Insekten, die im Garten nützlich wären. Die Wiese verfilzt,
Blühpflanzen haben keine Chance.

– Mähroboter ausschalten. Der permanent extrem getrimmte Rasen
verhindert ein gedeihendes Ökosystem vor der Türe. Dass viele Igel
Opfer der scharfen Klingen werden, spricht sich langsam herum.

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