Wien (OTS) – Hohe Temperaturen und lange trockene Phasen prägen die
diesjährige
Vegetationsperiode. Für die Landwirtschaft bedeutet Hitze jedoch weit
mehr als Wassermangel, denn Teil der Witterung sind Temperatur,
Niederschlag, Luftfeuchtigkeit und Wind. Sie beeinflussen das
Wachstum der Kulturpflanzen ebenso wie Krankheiten, Schädlinge und
Unkräuter. Damit verändert die Witterung auch laufend die
Anforderungen an den Pflanzenschutz. „Pflanzenschutz funktioniert
nicht nach einem fixen Kalender. Entscheidend ist, was tatsächlich am
Feld passiert, und das waren 2026 neben stressgeplagten Pflanzen vor
allem der Schädlingsbefall und schwer bekämpfbare Unkräuter“, erklärt
IGP-Obmann Christian Stockmar. „Gerade bei Hitze und Trockenheit
können sich die Bedingungen innerhalb kurzer Zeit verändern.
Landwirte sollten daher laufend beobachten, bewerten und sich
anpassen.“
Dabei stehen ihnen die Maßnahmen des integrierten
Pflanzenschutzes zur Verfügung. Dazu zählen widerstandsfähige Sorten,
vielfältige Fruchtfolgen, gesunde Böden, die Förderung von
Nützlingen, regelmäßiges Monitoring sowie Wetter- und Prognosedaten.
Wenn diese vorbeugenden, biologischen oder mechanischen Maßnahmen
nicht ausreichen und wirtschaftlich relevante Schäden drohen, bleiben
Pflanzenschutzmittel ein Bestandteil des integrierten
Pflanzenschutzes. „Doch gerade bei den Wirkstoffen zeigt sich, dass
die EU ihre agrarpolitische Strategie dringend ändern sollte, will
man auch künftig noch hochwertige Lebensmittel produzieren“,
kritisiert Stockmar.
Klimawandel kennt einen Gewinner: Schaderreger
Extreme Wetterbedingungen wie anhaltende Hitze setzen
Kulturpflanzen unter Stress. Bei Trockenheit können Pflanzen
Nährstoffe schlechter aufnehmen, langsamer wachsen und empfindlicher
gegenüber Schädlingen werden. Auch die Ertragsbildung leidet
darunter. Hohe Temperaturen beeinflussen gleichzeitig viele
Schaderreger. Zahlreiche Insekten werden bei steigenden Temperaturen
früher aktiv und durchlaufen ihre Entwicklungsstadien schneller.
Dadurch können einzelne Arten innerhalb einer Vegetationsperiode
größere Populationen oder mehrere Generationen entwickeln.
Auch Krankheiten reagieren unterschiedlich auf die Witterung.
Während manche Pilzkrankheiten bei trockenen Bedingungen seltener
auftreten, werden andere durch warme Bedingungen begünstigt. Echter
Mehltau und Fusarium können beispielsweise mit warmen und trockenen
Bedingungen und dem damit verbundenen Pflanzenstress zurechtkommen.
Andere Krankheiten entwickeln sich besonders rasch, wenn Wärme mit
hoher Luftfeuchtigkeit oder längerer Blattnässe zusammentrifft. Auf
Trockenbedingungen reagieren Unkräuter mit der Ausbildung dicker
Wachsschichten auf den Blättern, die eine Aufnahme von blattaktiven
Herbiziden erschweren und deren Wirksamkeit reduzieren. Weil auch
Bodenwirkstoffe ohne Feuchtigkeit nicht zur Wirkung kommen, steigt in
Jahren wie 2026 auch die Unkrautkonkurrenz. Produkte mit anderen
Wirkmechanismen werden dringend gebraucht. „Dass Trockenheit
automatisch einen geringeren Pflanzenschutzbedarf bedeutet, ist zu
kurz gegriffen. Welche Maßnahmen notwendig sind, hängt daher immer
von der konkreten Kombination aus Kultur, Entwicklungsstadium,
Witterung und tatsächlichem Befall ab“, so Stockmar.
Witterung beeinflusst auch die Anwendung selbst
Die Witterung entscheidet nicht nur darüber, ob eine
Pflanzenschutzmaßnahme notwendig ist. Sie beeinflusst auch deren
Wirksamkeit und den geeigneten Zeitpunkt für die Anwendung. Extreme
Hitze kann beispielsweise dazu führen, dass Spritztropfen schneller
verdunsten oder Wirkstoffe rascher abgebaut werden. Gleichzeitig
reagieren hitzegestresste Pflanzen empfindlicher. Während heißer
Sommerperioden werden notwendige Anwendungen daher bevorzugt in
kühlere Morgen- oder Abendstunden gelegt. Auch Niederschlag und
Feuchtigkeit spielen eine wesentliche Rolle. Starker Regen kurz nach
einer Behandlung kann Wirkstoffe von der Blattoberfläche abwaschen,
wenn diese noch nicht ausreichend eingetrocknet sind oder aufgenommen
wurden. Bei starkem Wind steigt wiederum das Risiko von Abdrift.
Deshalb fließen Wetterprognosen und Wind in die Planung jeder
Maßnahme ein.
Weitere Informationen enthält das IGP-Factsheet „Einfluss der
Witterung auf Pflanzengesundheit und -schutz“ .