Wien (OTS) – Mit Schulbeginn kommenden Montag wird die Sperre der
S-Bahn-
Stammstrecke deutlich spürbar werden. Die Bauarbeiten sind wichtig
und notwendig – doch die Sperre bringt das Wiener Verkehrsnetz an
seine Grenzen: Sie trifft eine Viertelmillion Fahrgäste, die mit
überfüllten Bahnsteigen, knallvollen Öffis und langen Wartezeiten
konfrontiert sein werden. „Die notwendige Modernisierung der S-Bahn-
Stammstrecke ist seit vielen Jahren bekannt, trotzdem behandelt die
Stadtregierung das Riesen-Projekt wie eine normale Baustelle. Man
hätte tatsächlich besser planen können“, so Kilian Stark und Heidi
Sequenz, Mobilitätssprecher:innen der Grünen Wien.
Eine von den Grünen in Auftrag gegebene TU-Studie rechnet in
Spitzenzeiten mit rund 11.300 Fahrgästen pro Richtung und Stunde, die
auf anderen Routen unterwegs sein werden. Zwar gibt es
Ersatzangebote, doch diese Maßnahmen werden nicht ausreichen, um die
Sperre abzufedern. „Es stellt sich die Frage, warum nicht früher
reagiert und Ersatzangebote geschaffen wurden, wenn seit Jahren klar
war, dass 2026/2027 die größte Öffi-Sperre der Stadt bevorsteht. Auch
der Zeitpunkt der Sperre ist besonders heikel, da erst heuer die
Öffis empfindlich teurer wurden und die Fahrgäste dafür eine
schlechtere Leistung bekommen“, so Sequenz und Stark.
„Damit die Sperre kein Fahrgast-Vertreibungsprogramm wird, das
nachhaltig Menschen aus den Öffis verdrängt, braucht es jetzt
dringend Nachbesserungen. Stark genutzte Straßenbahn-Linien müssen
wirklich freie Fahrt bekommen. Es braucht auch dichtere Intervalle
auf den zentralen Linien. Hier muss die Stadtregierung endlich Mut
zeigen und die in der Studie empfohlenen Maßnahmen – wie das
Freihalten der Gleiskörper – umsetzen“, so Sequenz und Stark. Die
Grünen werden in den kommenden Wochen im Zuge von Verteilaktionen an
zentralen Verkehrsknotenpunkten mit Öffi-Fahrgästen ins Gespräch
kommen und auf die nötigen Nachbesserungen aufmerksam machen.
Im Zuge der S-Bahn-Modernisierung werden unter anderem Viadukte,
Brücken, Stützmauern, Stationen und Schieneninfrastruktur erneuert.
Nach dem Upgrade sollen längere Züge und ein 2,5 Minuten-Takt in der
Hauptverkehrszeit möglich sein und das Sitzplatzangebot soll um 40
Prozent steigen – die Grünen begrüßen diese Verbesserungen.
Grüne Forderungen zur Abfederung der Sperre
+ Dichtere Intervalle für U-Bahnen und Straßenbahnen:
Taktverdichtungen braucht es nicht nur auf den unmittelbar
betroffenen Linien O, 18, D und 71, sondern auch auf den relevanten
Entlastungsachsen. Außerdem braucht es mehr Reservezüge und Personal
für Störungsfälle.
+ Freie Fahrt für Bim & Bus: Auf den Linien O oder D kommt es zu
Pulkbildung. Zwei, drei Straßenbahnen fahren knapp hintereinander,
dann lange nichts. Genau das droht sich während der Sperre zu
verschärfen. Der TU-Bericht empfiehlt daher unter anderem eine
durchgehende Ampel-Priorisierung, eigene Spuren sowie die konsequente
Freihaltung von Gleiskörpern.
+ 100 Öffi-Lots:innen für mehr Sicherheit. Am Hauptbahnhof wird es
eng werden. Der TU-Bericht empfiehlt daher Fahrgastleitsysteme samt
Bodenmarkierungen, Piktogrammen und Durchsagen, Prüfung von
Einbahnführungen in Stationen, zusätzliches Ordnungspersonal sowie
Lift- und Rolltreppenmanagement etwa durch das Vorhalten von
Ersatzteilen.
+ Temporäre Radwege inkl. Rad-Sharing-Offensive: Der TU-Bericht
schlägt rasch umsetzbare, temporäre Radinfrastruktur vor, weiters
sichere parallele Radverbindungen, besonders im 3. Bezirk, ein
Hochfahren und Gratis-Angebot der Sharing-Räder sowie mobile
Radbügel.