Wien (OTS) – „Die Sommertour des Bundeskanzlers wird zur Reise in
längst
überwunden geglaubte Rollenbilder. Kinder betreuen, Angehörige
pflegen, den Haushalt organisieren: All das ist Arbeit. Dass der
Bundeskanzler diese Realität kleinredet, zeigt, wie weit die ÖVP von
der Lebensrealität vieler Frauen entfernt ist. Diese respektlose
Aussage lässt jedenfalls tief blicken“, so Judith Pühringer,
Parteivorsitzende der Wiener Grünen, zu Stockers Aussage, wonach er
Kinderbetreuung nicht als Arbeit sehen würde.
„Frauen tragen noch immer einen unverhältnismäßig großen Teil der
unbezahlten Sorgearbeit. Diese Arbeit verschwindet nicht, nur weil
sie auf keinem Lohnzettel steht. Sie kostet Zeit und Kraft und für
viele Frauen auch Einkommen, berufliche Chancen und eine
eigenständige Absicherung. Wer Kinderbetreuung nicht als Arbeit
anerkennt, macht diese Leistung unsichtbar“, stellt Julia Malle, stv.
Klubobfrau und Frauensprecherin Grüne Wien, klar. „Ein Bundeskanzler
sollte wissen, was Frauen in diesem Land jeden Tag leisten. Eine
derart respektlose Aussage muss er zurücknehmen. Eine Entschuldigung
bei den Frauen und Eltern in Österreich ist fällig“, so Pühringer und
Malle.
Frauen dürfen nicht länger die Rechnung bezahlen
Stockers Argument, Kinder dürften kein „Rechenbeispiel“ sein, weisen
die Grünen Wien zurück. „Niemand macht Kinder zu einem Business Case,
wenn wir über die gerechte Verteilung von Sorgearbeit sprechen. Es
geht darum, dass Frauen nicht länger die Rechnung dafür bezahlen: mit
weniger Einkommen, schlechteren Karrierechancen und weniger Pension“,
halten Pühringer und Malle fest.
Statt rückwärtsgewandter Rollenbilder brauche es Rahmenbedingungen
für echte Wahlfreiheit: eine faire Aufteilung der unbezahlten
Sorgearbeit, familienfreundliche Arbeitszeiten und ein
flächendeckendes, hochwertiges Kinderbetreuungsangebot.
„Kinderbetreuung ist Arbeit. Sorgearbeit ist Arbeit. Statt sie
kleinzureden, muss Politik dafür sorgen, dass sie fair verteilt wird.
Ein guter Anfang wäre eine Entschuldigung, Herr Bundeskanzler“, so
Pühringer und Malle abschließend.