Greenpeace/Volkshilfe: Live-Messungen zeigen Hitze-Falle in Wohnungen von armutsbetroffenen Senior:innen

Wien (OTS) – Die aktuelle Hitzewelle sorgt schon nach wenigen Tagen
für
unerträgliche Temperaturen in den Wohnungen von armutsbetroffenen
Senior:innen. Das zeigen laufende Temperaturmessungen der Universität
für Bodenkultur (BOKU), die gemeinsam mit Greenpeace und der
Volkshilfe seit Juni bei älteren Menschen in Wien durchgeführt
werden. Insgesamt werden in diesem Sommer zwölf Wohnungen untersucht
– darunter auch jene von armutsbetroffenen Senior:innen. Besonders
sie haben mit großen Herausforderungen zu kämpfen: Hier kletterten
die Temperaturen in den eigenen vier Wänden schon nach kurzer Zeit
sogar auf bis zu 30 Grad. Hitze ist eine reale Gesundheitsgefahr:
Allein bei der letzten Hitzewelle im Juni sind laut einer Greenpeace-
Berechnung auf Basis von Statistik-Austria-Daten rund 300 Menschen in
Österreich an den Folgen der extremen Temperaturen gestorben.
Greenpeace und Volkshilfe fordern von Klimaminister Norbert Totschnig
eine Sanierungsoffensive sowie von Vizekanzler und Wohnminister
Andreas Babler Hitzeschutz im Mietrecht zu verankern.

Wohnungen selbst Nachts bei über 27 Grad
Die Ergebnisse der Temperaturmessungen in den Wiener Altbauten sind
alarmierend: Schon kurz nach dem Start der aktuellen Hitzewelle,
schnellten die Temperaturen in sechs der zwölf Altbauwohnungen auf
über 28 Grad Celsius. Das Zuhause eines armutsbetroffenen
Pensionisten, eine Einzimmerwohnung mit 33 Quadratmeter, erhitzte
sich sogar auf bis zu 30 Grad. Zwischen gestern 8.00 Uhr und heute
8.00 Uhr Früh war es in allen zwölf Wohnungen mindestens sieben
Stunden wärmer als draußen. In der armutsbetroffenen Wohnung waren es
knapp 13 Stunden. Auch in der Nacht kühlten sieben Wohnungen nie
unter 27 Grad. Dadurch entsteht eine Dauerbelastung, die besonders
für den geschwächten Körper älterer Menschen lebensbedrohlich sein
kann.

Marc Dengler, Klima- und Energieexperte bei Greenpeace Österreich:
“Die Hitzewelle hat erst kürzlich an Fahrt aufgenommen, doch schon
jetzt glüht es in den Wohnungen wie in einem Backofen. Wenn die
Temperaturen im Wohnzimmer auf über 30 Grad schnellen, dann wird das
eigene Zuhause zur Hitzefalle. Besonders armutsbetroffene ältere
Menschen haben oft keine Möglichkeiten, um das eigene Zuhause
abzukühlen. Das hat nichts mit Schicksal zu tun, sondern ist das
bittere Ergebnis einer versäumten Wohnpolitik. Statt beim Klimaschutz
zu kürzen, müssen Klimaminister Totschnig und Vizekanzler Babler die
Wohnungen hitzefit machen und Mieterinnen und Mieter wirksam vor den
extremen Temperaturen schützen. Erst im Juni sind an den Folgen der
letzten Hitzewelle rund 300 Menschen in Österreich gestorben.”

Altersarmut verstärkt das Hitzerisiko
“Armutsbetroffene Menschen sind der Hitze stärker ausgesetzt. Viele
leben in engen, schlecht sanierten Wohnungen ohne Sonnenschutz, die
wiederum in heißen Wohnvierteln mit weniger Grün liegen. Betroffene
haben schlichtweg nicht das Geld für den Kauf von Jalousien, die
Anschaffung und das Betreiben von Kühlgeräten, oder auch nur einen
kühlenden Besuch im Schwimmbad. Bei älteren Menschen kommt
erschwerend hinzu, dass sie häufig nicht mehr mobil genug sind, um
kühlere Orte aufzusuchen. Dadurch sind sie den extremen Temperaturen
in ihren eigenen vier Wänden schutzlos ausgeliefert “, so Erich
Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich.

Daniela Haluza, Umweltmedizinerin und Professorin an der
Medizinischen Universität Wien: “Hitze ist das tödlichste
Wetterextrem in Österreich und betrifft insbesondere ältere Menschen,
deren Körper hohe Temperaturen weniger gut kompensieren kann.
Anhaltend überhitzte Wohnungen erhöhen das Risiko für
Kreislaufprobleme, Schwindel, Stürze und Verwirrtheitszustände. Wir
sprechen hier von Menschen, die tagelang nicht schlafen können, weil
ihre Wohnung auch nachts nicht unter 30 Grad abkühlt, oder die an
Hitzetagen plötzlich verwirrt werden und als Notfall im Krankenhaus
landen.”

Greenpeace und Volkshilfe fordern von Klimaminister Norbert Totschnig
und Vizekanzler Andreas Babler konkrete Schutzmaßnahmen: Neben
begrünten Wohnvierteln und einer Sanierungsoffensive braucht es auch
Notfallpläne für Hitzewellen. Diese müssen gemeinsam mit älteren
Menschen, Personen mit Pflegebedarf und anderen vulnerablen Gruppen
erarbeitet werden. Die Volkshilfe fordert außerdem die Verbesserung
der finanziellen Situation Altersarmutsbetroffener, etwa durch die
Anhebung des Ausgleichszulagenrichtsatzes.

Hitze-Dashboard : Wie akut die Situation in den untersuchten
Wohnräumen ist, lässt sich in Echtzeit mitverfolgen: Die Messdaten
können unter https://act.gp/HitzeDashboard über den Sommer hinweg
live abgerufen werden. Die Sensoren der BOKU erfassen dabei
kontinuierlich sowohl die Innenraumtemperatur als auch die
Luftfeuchtigkeit, um die oft unsichtbare Belastung hinter
verschlossenen Türen greifbar zu machen.

Bildmaterial finden Sie unter: https://act.gp/3QDwDab
Unter Angabe der Credits © Name der Fotograf:in / Greenpeace stehen
die Fotos kostenfrei zur redaktionellen Nutzung zur Verfügung.

Ein Factsheet zum Thema Hitze finden Sie unter:
https://act.gp/4ewLcUQ

Inhalte auf einen Blick

– Thema: Echtzeitmessungen der Raumtemperatur in Wohnungen von
armutsbetroffenen Senior:innen während der aktuellen Hitzewelle.

– Ergebnis: BOKU-Messungen in 12 Wiener Altbauwohnungen zeigen
aktuelle Innenraumtemperaturen von bis zu 30 Grad Celsius; Wohnungen
bis zu knapp 13 Stunden am Tag heißer als die Außentemperatur.

– Hauptforderung: Gesetzliche Verankerung von Hitzeschutz im
Mietrecht, eine bundesweite Sanierungsoffensive sowie Hitze-
Notfallpläne.

– Adressat: Klimaminister Norbert Totschnig und Vizekanzler Andreas
Babler.

– Quelle/Material: Greenpeace Österreich, Volkshilfe Österreich, Live
-Messdaten: https://act.gp/HitzeDashboard / Bildmaterial:
https://act.gp/3QDwDab / Factsheet: https://act.gp/4ewLcUQ