Gleichstellung braucht finanzielle Unabhängigkeit

Hamburg (OTS) – Finanzielle Unabhängigkeit ist eine zentrale
Voraussetzung für die
Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft. Darin sind sich die
Präsidentinnen und Geschäftsführerinnen der deutschsprachigen
Bäuerinnen- und LandFrauenorganisationen aus Deutschland, Österreich,
der Schweiz und Südtirol einig. Anlässlich des Internationalen Jahres
der Frauen in der Landwirtschaft 2026 kamen sie zum jährlichen Vier-
Länder-Treffen in Hamburg zusammen. Im Mittelpunkt standen die
finanzielle Absicherung von Frauen sowie ihr gleichberechtigter
Zugang zu Finanzierung und agrarpolitischen Fördermitteln.

Frauen tragen in landwirtschaftlichen Betrieben Verantwortung als
Unternehmerinnen, Mitunternehmerinnen und Mitverantwortliche für
betriebliche Entscheidungen. Dennoch spiegeln Eigentumsverhältnisse,
Vermögensaufbau, Altersvorsorge sowie der Zugang zu Finanzierung und
Fördermitteln ihre Leistungen häufig nicht ausreichend wider.

“Es ist bewiesen, dass frauengeführte Unternehmen
branchenübergreifend risikoärmer und verlässlicher bei der
Rückzahlung von Krediten sind als männlich geführte Unternehmen.
Zugleich schneiden sie bei Umwelt, Sozialem und Governance besser ab
und investieren stärker in die Weiterqualifizierung ihrer
Beschäftigten“, betont Petra Bentkämper , Präsidentin des Deutschen
LandFrauenverbandes. “Es wird Zeit, die notwendigen Schlüsse daraus
zu ziehen.“

Zwtl.: Die Präsidentinnen und Geschäftsführerinnen der vier
Verbände fordern daher:

Kreditvergabe und Förderinstrumente geschlechtergerecht
auszugestalten, strukturelle Hürden beim Zugang von Frauen zu
Finanzierung abzubauen und die nachweislich stärkere Nachhaltigkeits-
, Risiko- und Rückzahlungsbilanz frauengeführter Unternehmen als
Vorteil bei Finanzierungsentscheidungen anzuerkennen. Strukturelle
Hürden können beispielsweise sein: geringere Betriebsgröße, fehlende
Sicherheiten oder fehlender Betriebsleiterinnenstatus.

Bildungs-, Beratungs-, Coaching- und Netzwerkangebote auszubauen,
um Finanzwissen zu stärken und Frauen bei Finanzierung,
Betriebsübernahme, Gründung und Investitionen gezielt zu
unterstützen.

Agrarförderung geschlechtergerecht einzusetzen , bestehende
Zugangshürden abzubauen undspezifische Förderprogramme für Frauen
auszubauen.

Die eigenständigefinanzielle und soziale Absicherung von Frauen
in der Landwirtschaft zu stärken und Instrumente zu schaffen, die
insbesondere mitarbeitende Frauen verbindlich absichern. Die Schweiz
zeigt mit der Verknüpfung von Direktzahlungen und dem Nachweis eines
Versicherungsschutzes mitarbeitender Partner*innen, wie Agrarpolitik
hierfür gezielt Anreize setzen kann.

Zwtl.: Die Präsidentinnen sagen:

Irene Neumann-Hartberger , Vorsitzende Arbeitsgemeinschaft
Österreichische Bäuerinnen: “Es braucht eine grundsätzliche
Bewusstseinsbildung zum Thema Absicherung und Finanzen. Spezielle
Förderprogramme für Bäuerinnenprojekte und gezielte Finanzinstrumente
würden die Umsetzung innovativer betrieblicher Ideen deutlich
erleichtern und die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen
stärken.“

Antonia Egger-Mair , Landesbäuerin Südtiroler
Bäuerinnenorganisation: “Frauen bringen Eigenmittel und Leistungen in
die Betriebe ein, auch das muss in der Finanzbildung aufgegriffen und
die Frauen sensibilisiert werden, diese Einbringung abzusichern.“

Anne Challandes , Präsidentin Schweizerischer Bäuerinnen- und
Landfrauenverband SBLV: “Gleichstellung ist erst dann erreicht, wenn
eine Frau ihre Wahl hinsichtlich ihrer Position, der Übernahme von
Verantwortung und der Aufteilung von Aufgaben nicht mehr
rechtfertigen muss, sondern diese frei und ohne Hindernisse treffen
kann.“

Die vier Verbände vertreten gemeinsam rund 646.000 Bäuerinnen und
LandFrauen. Das jährliche Vier-Länder-Treffen dient dem Wissens- und
Erfahrungsaustausch zu agrar-, gesellschafts- und frauenpolitischen
Fragestellungen sowie der Entwicklung gemeinsamer Positionen über
Ländergrenzen hinweg.

Eine Foto vom Vier-Länder-Treffen ist unter
www.baeuerinnen.at/pressefotos zu finden. (Schluss)