Wien (OTS) – Vor dem Hintergrund der aktuellen Auseinandersetzung
zwischen AQ
Austria und der Fachhochschulkonferenz über die Weiterentwicklung der
Qualitätssicherung stellt die Österreichische
Privatuniversitätenkonferenz (ÖPUK) klar: Der zentrale blinde Fleck
der Debatte liegt nicht bei der Programmakkreditierung, sondern bei
der institutionellen Qualitätssicherung. Die derzeit diskutierte
Reduktion beziehungsweise gänzliche Abschaffung der
Programmakkreditierung im Fachhochschulsektor verstärkt nur die
grundlegende Schieflage im System.
„Bevor einzelne Instrumente wie die Programmakkreditierung
zurückgefahren werden, muss die Frage geklärt werden, warum es im
österreichischen Hochschulraum völlig unterschiedliche Formen der
institutionellen Qualitätssicherung gibt“, so Martin Rummel,
Vorsitzender der ÖPUK. Derzeit unterliegen Privatuniversitäten im
Gegensatz zu anderen Hochschulsektoren weiterhin einer
verpflichtenden institutionellen Reakkreditierung in regelmäßigen
Abständen. Dieses Verfahren geht weit über ein Audit hinaus und
stellt eine existenzielle Prüfung der gesamten Institution dar.
„Es ist nicht nachvollziehbar, warum Einrichtungen, die seit mehr
als 20 Jahren erfolgreich in Forschung und Lehre tätig sind, alle
paar Jahre ihre gesamte Existenz neu legitimieren müssen“, so Rummel
weiter. Diese Praxis ist im österreichischen Hochschulsystem
einzigartig und führt zu klaren Wettbewerbsverzerrungen. Während
andere Sektoren auf Auditverfahren setzen, die institutionelle
Qualitätssicherungssysteme überprüfen, bleibt für Privatuniversitäten
ein deutlich eingriffsintensiveres Modell bestehen.
Die Folgen sind aus Sicht der ÖPUK gravierend, führt es doch zu
erheblicher strukturelle Unsicherheit für Institutionen und nicht
zuletzt zu Verunsicherung bei MitarbeiterInnen und Studierenden, die
sich darauf verlassen können müssen, dass ihre Hochschule stabile
Rahmenbedingungen hat. Ein System, in dem alle sechs Jahre die
institutionelle Existenz zur Disposition steht, schafft dieses
Vertrauen nicht. Hinzu kommt, dass die Reakkreditierungsverfahren in
ihrer Ausgestaltung stark von externen Gutachten abhängen. Die ÖPUK
sieht hier die Gefahr von überzogen kritischen Bewertungen, die nicht
immer frei von strukturellen Vorbehalten gegenüber dem privaten
Hochschulsektor sind.
Vor diesem Hintergrund fordert die ÖPUK eine klare
Prioritätensetzung in der aktuellen Reformdebatte:
– Erstens: Herstellung gleicher Qualitätssicherungsregime auf
institutioneller Ebene für alle Hochschulsektoren
– Zweitens: Umstellung der Privatuniversitäten von der
Reakkreditierung auf ein Audit-System, wie es international Standard
ist
– Drittens: erst auf dieser Grundlage weitere Anpassungen bei
Instrumenten wie der Programmakkreditierung
Die aktuelle Diskussion, wie sie auch durch die Positionen der AQ
Austria angestoßen wurde, bietet eine Chance zur Systemkorrektur.
Diese sollte genutzt werden – aber in der richtigen Reihenfolge. Die
Österreichische Privatuniversitätenkonferenz spricht sich daher für
eine sachliche, systematische Weiterentwicklung der
Qualitätssicherung aus – mit dem Ziel, faire, vergleichbare und
international anschlussfähige Rahmenbedingungen für alle Hochschulen
zu schaffen.