Wien (OTS) – Am 9. August ist der österreichweite Equal Pension Day.
Bis zu diesem
Tag haben Männer in Österreich statistisch bereits so viel Pension
bezogen, wie Frauen erst bis zum Jahresende erhalten werden. Das
bedeutet: Frauen erhalten umgerechnet 144 Tage weniger Pension pro
Jahr – ein skandalöser Unterschied, der für viele ein hohes
Armutsrisiko bedeutet. „Frauen, die ihr Leben lang gearbeitet und
Verantwortung übernommen haben, dürfen im Alter nicht in Armut
rutschen. Pensionen müssen für alle existenzsichernd sein“,
bekräftigt Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler.
Zwtl.: Altersarmut ist weiblich.
Die durchschnittliche Frauenpension liegt bei nur 1.614 Euro pro
Monat, Männer erhalten im Schnitt 2.664 Euro. Das entspricht einer
Pensionslücke von 39,4 Prozent. Die Folgen dieser Ungleichheit sind
dramatisch: Mehr als jede vierte alleinlebenden Pensionistin (28
Prozent) ist armutsgefährdet. 19.000 alleinlebende Frauen mit Pension
leben in Österreich in absoluter Armut.
„Viele Frauen haben ihr ganzes Leben gearbeitet und müssen nun
die Unterstützung in den Sozialberatungsstellen der Caritas oder die
Angebote der Lebensmittelausgabe in Anspruch nehmen, weil sie sich
Grundbedürfnisse wie Wohnen, Heizen oder Essen nicht mehr leisten
können. Das dürfen wir nicht hinnehmen“, so Tödtling-Musenbichler.
Zwtl.: Die Ursachen dafür sind strukturell und längst bekannt
Armut im Alter ist kein individuelles Schicksal, sondern das
Ergebnis jahrzehntelanger struktureller Benachteiligung. Frauen in
Österreich übernehmen nach wie vor den überwiegenden Teil unbezahlter
Sorgearbeit – von Kinderbetreuung bis zur Pflege von Angehörigen. Sie
arbeiten deshalb häufiger in Teilzeit, unterbrechen ihre
Erwerbstätigkeit, verdienen weniger und erhalten damit auch weniger
Pension:
„Das individuelle Armutsrisiko von Frauen liegt ca. dreimal höher
als jenes von Männern – das ist alarmierend. Wer Altersarmut
bekämpfen will, muss an den Ursachen ansetzen und gleichzeitig Frauen
unterstützen, die heute bereits betroffen sind. Pension darf keine
Armutsfalle sein“ , sagt Tödtling-Musenbichler.
Zwtl.: Kein Sparen auf dem Rücken von Frauen
Doch anstatt Schieflagen zwischen Frauen und Männern
auszugleichen stellt die Caritas fest, dass im Rahmen von Budget-
Konsolidierungsmaßnahmen immer wieder auf dem Rücken von Frauen
gespart wird:
–
Maßnahmen wie die Nicht-Valorisierung von Familienleistungen und
die Erhöhung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge für
Niedrigverdienende treffen vor allem Frauen.
– Die nun auch für Ausgleichszulagenbezieher*innen geltenden höheren
Krankenversicherungsbeiträge führen zudem dazu, dass von der
„Mindestpension“ noch weniger übrig bleibt.
– Für Bezieher*innen der Notstandshilfe gibt es künftig niedrigere
Pensionsbeiträge und damit geringere Pensionsansprüche im Alter. Das
erhöht das Risiko von Altersarmut.
„Die öffentliche Debatte verkennt oft die tatsächlichen
Lebensrealitäten. Teilzeitarbeit und Erwerbsunterbrechungen sind für
Frauen oft die einzige Option, weil Gleichstellung in Österreich auch
2026 noch lange nicht Realität ist. Wir brauchen Reformen, die über
den gesamten Lebenslauf von Frauen greifen und vor Altersarmut
schützen“, betont Tödtling-Musenbichler die Forderungen der Caritas.
Zwtl.: Die Caritas fordert: Arbeit gerecht verteilen und armutsfeste
Pensionen sichern
– Sorgearbeit muss aufgewertet und fair verteilt werden : Die
ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgearbeit hat langfristige
Auswirkungen auf Einkommen, Pensionen und das Armutsrisiko von
Frauen. Es braucht Maßnahmen für eine stärkere Beteiligung der Väter
sowie Anreize für Halbe-Halbe. Hier ist vor allem eine Reform des
Kinderbetreuungsgeldes und eine bessere Anrechnung von unbezahlter
Sorgearbeit bei der Pensionsberechnung notwendig.
– Kinderbetreuung und Pflegeangebote flächendeckend ausbauen : Ein
dichtes Netz an qualitativ hochwertigen, kostenfreien und ganztägigen
Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen ist Voraussetzung für
Wahlfreiheit und gerechte Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt. Der
angekündigte Ausbau muss jetzt rasch kommen. Auch in der Pflege
braucht es ausreichend entlastende Strukturen.
– Mindestpension armutsfest machen : Es braucht eine Anhebung der
Ausgleichszulage, um Altersarmut zu reduzieren. Nur so ist ein Leben
in Würde im Alter möglich Maßnahmen am Arbeitsmarkt : entscheidend
ist auch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen insbesondere in
frauenspezifischen Branchen sowie die Umsetzung der Lohntransparenz –
hin zu gleicher Lohn für gleiche Arbeit.