Linz/Wien (OTS) – Der Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ)
warnt vor
Mehrkosten durch die geplante neue Netztarifstruktur. Nach dem
Begutachtungsentwurf der E-Control sollen künftig nicht nur der
Stromverbrauch, sondern auch Leistungsspitzen bei der Berechnung der
Netzkosten stärker ins Gewicht fallen. Das könnte öffentliche
Ladepunkte und gemeinschaftliche Ladeanlagen in Mehrparteienhäusern
belasten.
„Öffentliche AC-Ladepunkte (mit 11 und 22 kW Leistung) sind für
viele Menschen ohne eigene Wallbox unverzichtbar. Werden geringe
Auslastung und jederzeit verfügbare Ladeleistung durch hohe
Leistungspreise bestraft, drohen weniger Standorte und höhere
Ladekosten“, sagt BEÖ-Vorsitzender Andreas Reinhardt.
Zwtl.: Öffentliche Ladepunkte unter Kostendruck
Nach Angaben des BEÖ sind bis zu 50 Prozent der öffentlichen
Ladepunkte von den geplanten Änderungen betroffen. Besonders
Standorte in Wohngebieten, im ländlichen Raum und an weniger
frequentierten Orten könnten dadurch unwirtschaftlich werden. Damit
drohen Lücken in der flächendeckenden Grundversorgung, während sich
Investitionen auf wenige stark frequentierte Ladehubs konzentrieren.
Auslöser der Kritik ist, dass künftig stärker die gleichzeitig
aus dem Netz bezogene Leistung einer Ladestation berücksichtigt
werden soll. Auf Netzebene 7, also im Niederspannungsnetz für
Haushalte, kleinere Betriebe und viele Ladestationen, ist für den
Leistungsanteil über 10 kW ein höherer Preis vorgesehen.
Bei einer Station mit zwei Ladepunkten zu je 11 kW und einem
Jahresabsatz von 5.000 kWh könnten laut Berechnungen des BEÖ die
Netzkosten auf 27,5 Cent pro kWh steigen, bei 10.000 kWh auf 16 Cent.
Die endgültigen Tarife stehen allerdings noch nicht fest.
Zwtl.: Gemeinschaftsanlagen werden benachteiligt
Auch bei Ladeanlagen in Mehrparteienhäusern sieht der BEÖ
Risiken. Gemeinschaftsanlagen mit Lastmanagement verteilen die
verfügbare Leistung auf mehrere Fahrzeuge. Sie reduzieren
Stromspitzen und entlasten damit das Netz. Trotzdem könnten sie
teurer werden als einzelne, nicht gemeinsam gesteuerte Wallboxen.
„Es wäre widersinnig, wenn eine intelligent gesteuerte
Gemeinschaftsanlage teurer wird als zahlreiche ungeregelte
Einzelanschlüsse. Netzdienliches Verhalten muss belohnt werden“, sagt
BEÖ-Experte Roman Itzinger.
Leistungsspitzen von Wohnungen und Ladeanlagen sollten nicht
einfach addiert werden, wenn sie zu unterschiedlichen Zeiten
auftreten. Der BEÖ schlägt vor, die tatsächlich gemessene
Spitzenleistung am gemeinsamen Hausanschluss zu verrechnen.
Zwtl.: Mehr Anreize für flexibles Laden
Darüber hinaus fordert der BEÖ, flexible Ladevorgänge stärker zu
berücksichtigen. Wer sein Fahrzeug zu netzfreundlichen Zeiten lädt
oder die Ladeleistung an die aktuelle Netzauslastung anpasst, soll
davon auch bei den Netzkosten profitieren. Dadurch könnten vorhandene
Netzkapazitäten besser genutzt und zusätzliche Belastungsspitzen
vermieden werden.
„Als BEÖ begrüßen wir die Modernisierung hin zu fairen und
verursachungsgerechten Netzentgelten. Entscheidend ist jedoch, dass
die neuen Regeln den weiteren Ausbau der Elektromobilität wirksam
unterstützen“, so Andreas Reinhardt und Roman Itzinger abschließend.
Über die Verordnung
Die geplante Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung (SNE-G-V)
legt die Grundsätze für die künftige Berechnung der Netzentgelte
fest. Die konkrete Tarifverordnung folgt im nächsten Schritt. Die
neue Netzentgeltstruktur soll laut E-Control ab 1. Jänner 2027
gelten.
Über den BEÖ
Der Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ) vertritt die
Interessen von 13 Energieunternehmen in Österreich und setzt sich für
den flächendeckenden Ausbau der Elektromobilität unter Verwendung von
100 Prozent erneuerbarer Energie aus Österreich ein. Die Mitglieder
des BEÖ sind: BE Solution GmbH (Burgenland Energie), Energie AG
Vertrieb GmbH, Energie Graz GmbH, Energie Steiermark Kunden GmbH, EVN
Energieservices GmbH, illwerke vkw AG (vkw), Innsbrucker
Kommunalbetriebe AG (IKB), KELAG-Kärntner Elektrizitäts-
Aktiengesellschaft, LINZ AG, Salzburg AG, TINEXT (TIWAG-Next Energy
Solutions GmbH), Wels Strom GmbH und Wien Energie GmbH. www.beoe.at
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