Ausstellung und Retrospektive: Ulrich Seidl – Über das Leben, die Liebe und den Tod

Wien (OTS) – Eine Ausstellung und Retrospektive über moralische
Ambivalenz,
Orientierungslosigkeit, aber auch über die Liebe und die Sehnsucht
danach: Die Werkschau „Ulrich Seidl – Über das Leben, die Liebe und
den Tod“ konfrontiert das Publikum mit einer Reihe scheinbar
gewöhnlicher Menschen, die versuchen, in einer sinnentleerten,
spätkapitalistischen Gesellschaft etwas aus sich und ihrem Leben zu
machen. Das Eigentümliche von Seidls Herangehensweise besteht darin,
wie er der Welt den Spiegel vorhält.

Im Mittelpunkt steht Seidls fortwährende Auseinandersetzung mit
der conditio humana. Sein Interesse gilt dem Alltäglichen und jenen,
die sich an den Rändern einer allgemeinen gesellschaftlichen Ordnung
bewegen. Seidl erzählt in seinen Arbeiten über Menschen, die auf der
Suche nach Glück und Erfüllung ihrer Sehnsüchte oftmals daran
scheitern ohne dabei ihre Würde aufs Spiel zu setzen.

Seidls Werk wird oft als „verstörend“ beschrieben, weil es den
Betrachter, behaftet mit seinen eigenen Vorurteilen, mit Menschen
konfrontiert, die scheinbar schamlos ihre Lebensweise zur Schau
stellen wobei Abgründe sichtbar werden, die in uns allen stecken,
auch wenn wir das nicht wahrhaben wollen. „Mir geht es darum, hinter
die beschönigte Fassade zu blicken und in den privaten Raum
vorzudringen“, sagt Seidl. „Das ist oft unangenehm und sieht
vielleicht anders aus, als die meisten es gerne hätten.“

Seidl präsentiert die Komplexität der Welt in all ihrer
sittlichen Widersprüchlichkeit, widersetzt sich einem Schwarz-Weiß-
Denken und verzichtet auf moralische Bewertungen und Urteile. Mit dem
Unbehagen, das seine Arbeiten erzeugen, hofft er, die Besucher dazu
zu bewegen, den eigenen moralischen Kompass zu hinterfragen.

Zwtl.: An der Schnittstelle von Dokumentation und Fiktion

Ein weiteres Mittel, mit dem Seidl ein gewisses Maß an
Desorientierung erzeugt, besteht darin, seine Werke an der
Schnittstelle von Dokumentation und Fiktion zu positionieren.
Recherchen zu realen Personen, Orten und Situationen bilden die
Grundlage seiner Arbeit, die er anschließend mit fiktionalen
Elementen und Figuren verwebt. In Seidls Filmen spielen
professionelle SchauspielerInnen und Laien gemeinsam, um in einen
Kontext einzutreten und zu improvisieren. Inszenierung und Realität
verschmelzen nahtlos miteinander. Was ist real, was ist Fiktion?

Zudem setzt Seidl seit seinen frühesten Werken sogenannte
Tableaus ein: straff komponierte Szenen, in denen Protagonisten oft
schweigend und regungslos in die Kamera blicken, was beim Zuschauer
mitunter ein beklemmendes Gefühl auslöst.

„Ulrich Seidl – Über das Leben, die Liebe und den Tod“ ist die
Abschiedsausstellung von Jaap Guldemond, der als Kurator die
künstlerische Ausrichtung des Ausstellungsprogramms von Eye seit der
Eröffnung des Gebäudes in Amsterdam-Noord (2012–2024) geprägt hat.
Guldemond kuratierte insgesamt 40 Ausstellungen für Eye.

Zwtl.: Filme, Vorträge & Veranstaltungen

Wie üblich wird die Werkschau von einem umfangreichen
Filmprogramm begleitet. In den Kinos werden eine Reihe von Seidls
Werken gezeigt, darunter mehrere Titel auf 35-mm-Film aus der Eye-
Sammlung. Zudem wird Ulrich Seidl das Museum im Rahmen der
Ausstellung besuchen, um in einem Künstlergespräch über sein Werk zu
sprechen. In verschiedenen Veranstaltungen der Reihe „Eye on Art“
werden Themen aus Seidls Werk vertieft sowie die Verbindungen
zwischen seinem Schaffen und dem Wirken anderer zeitgenössischer
Filmemacher und Künstler beleuchtet.

Ausstellung & Retrospektive
Ulrich Seidl – Über das Leben, die Liebe und den Tod
19. September 2026 — 31. Jänner 2027
Eye Filmmuseum, IJpromenade 1 Amsterdam, eyefilm.nl/ulrichseidl

Zwtl.: Über Ulrich Seidl

Ulrich Seidl (1952 in Wien) ist ein österreichischer
Filmregisseur, Fotograf , Drehbuchautor, Produzent und Theatermacher.
Er hat bisher rund zwanzig Spiel- und Dokumentarfilme gedreht. In den
1990er Jahren wurde er für seine sogenannten Dokumentarfilme, die
immer eine Mischung aus Realem und Fiktion waren, „Good News“ (1990),
„Mit Verlust ist zu rechnen“ (1992), „Tierische Liebe“ (1995) und
„Models“ (1998) mehrfach ausgezeichnet. Im Jahr 2001 wurde sein
erster rein fiktionaler Kinofilm, „Hundstage“ („Dog Days“), bei den
Filmfestspielen von Venedig mit dem Großen Preis der Jury geehrt.
Nach dem Welterfolg von „Hundstage“ gründete Seidl gemeinsam mit
seiner Koautorian und Regisseurin Veronika Franz im Jahr 2003 die
Ulrich Seidl Filmproduktion in Wien. Einerseits, um die eigenen Filme
zu produzieren, andererseits, um die Herstellungsbedingungen für
Filmemacherinnen anders zu gestalten als herkömmliche Filmproduktion
und mit dem großen Anliegen es auch der jungen nachfolgenden
Generation zu ermöglichen, ihre künstlerischen Visionen umzusetzen.
Neben Seidls nachfolgenden Arbeiten darunter „Import Export“ (2007)
und „Paradise: Liebe“ (2012) in Cannes konnten alle von der Ulrich
Seidl Film produzierten Filme (wie „Ich seh Ich seh“, „Luzifer“,
„Sonne“, „Veni Vidi Vici“, „Des Teufels Bad“ uvw.) ihre Uraufführung
auf A-Festivals feiern.

Seidls jüngstes Werk, der Zweiteiler „BÖSE SPIELE Rimini Sparta“
(WICKED GAMES Rimini Sparta, 2023) wurde auf dem Internationalen
Filmfestival Rotterdam uraufgeführt. Darüber hinaus hat er
Theaterproduktionen wie „Vater Unser“ (2004, Volksbühne Berlin) und
„Böse Buben / Fiese Männer“ (2011, Wiener Festwochen) inszeniert und
präsentiert regelmäßig seine fotografischen Arbeiten.

Aktuell arbeitet Ulrich Seidl an seinem nächsten internationalen
Spielfilm „Distanzen“. (Regie & Produzent: Ulrich Seidl,
Koproduzenten: Philippe Bober (Frankreich/Deutschland), Albert Serra
(Spanien). Die Dreharbeiten sind für Anfang 2027 geplant.

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