Wien (OTS) – „Mit sozialen Belastungen gibt es 180.000
temperaturbedingte Tote
mehr, und etwa 160.000 zusätzlich bei schwerer materieller und
sozialer Deprivation“, zitiert die Armutskonferenz eine aktuelle
europaweite Erhebung.* Soziale Ungleichheit wirkt auf
Bevölkerungsebene als eigenständiger Risikofaktor für hitzebedingte
Todesfälle. Die Studie vergleicht zwei Szenarien miteinander: eines,
in dem alle Regionen über die günstigsten sozioökonomischen
Bedingungen verfügen, und eines, in dem die Bevölkerung Armut und
sozialen Belastungen ausgesetzt ist. Grundlage der Untersuchung sind
tägliche Sterblichkeitsdaten aus 32 europäischen Ländern. Insgesamt
werteten die Forschenden Daten zu mehr als 161 Millionen Todesfällen
aus.
Zwtl.: Risken nicht für alle gleich
„Soziale Fragen müssen in Hitzeplänen noch stärker berücksichtigt
werden“, fordert das Netzwerk Armutskonferenz Ministerien und lokale
Behörden auf. “Armut selbst erzeugt ein doppelt so hohes Hitzetod-
Risiko. In der Hitzewelle sterben Menschen, besonders gefährdet sind
ältere und pflegebedürftige Personen, kranke Kinder und Patienten mit
Herz-Kreislaufproblemen – und da Haushalte in Vierteln mit geringem
Einkommen.“ In Österreich verzeichnen wir zwischen 500 und 1000
Hitzetote im Jahr. Die Zahl wird voraussichtlich dieses Jahr steigen.
“Die Risken sind nicht für alle gleich”, so Sozialexperte Martin
Schenk. Dabei versterben die wenigsten Menschen direkt an einem
Hitzschlag. Meist sind die hohen Temperaturen ein erschwerender
Faktor, der insbesondere für besonders verletzliche Gruppen mit
Vorerkrankungen gefährlich wird.
Zwtl.: Hitze-Nachbarschaft gegen Einsamkeit
“Bei den an Hitze Verstorbenen wissen wir”, so Schenk, “dass
viele der Betroffenen einsam und isoliert waren, es niemand gab, der
mal vorbeischaute und fragte, wie es geht.” Hier könnten wir in
Grätzl-Teams investieren. Um eine Nachbarschaft in Schwung zu
bringen, braucht es Personen, die das anstoßen, koordinieren und am
Laufen halten. Solche Grätzl-Teams müssen finanziert sein, damit die
Community-Arbeit wirkt.
Zwtl.: Gerechtes Budget: Kleine Haushaltseinkommen entlasten
Im aktuellen Budget ist darauf zu achten, kleine
Haushaltseinkommen nicht noch weiter zu belasten. Besonders die
Kürzungen in den Bundesländern bei Unterstützungsleistungen und
Sozialhilfen bedrohen einkommensschwache Haushalte.
Verschlechterungen im Sozialen schlagen sich direkt in teuren
Folgekosten nieder. Das Fehlen dieser Angebote wird Folgekosten
erzeugen, die alles andere als billig sind: weniger
Krisenintervention, weniger Integration, weniger Wohnsicherung,
weniger Jugendausbildung, weniger Gesundheitsprävention. Die
Folgekosten, die bei Delogierung, Obdachlosigkeit, Kinder- und
Jugendhilfe, Krankheit, Schuldenberatungen etc. aufschlagen, werden
unterschätzt.
Zwtl.: Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime kühlen
Kinder, Kranke, Ältere und Pflegebedürftige sind besonders von
den gesundheitlichen Folgen der Hitze gefährdet. Wir brauchen einen
Plan, um Schulen, Krankenhäuser und Pflegeheime im heißen Sommer zu
kühlen. Das ist eine gute und sinnvolle Präventionsmaßnahme, die
neben der Gesundheit auch besseres Lernen und mehr Sicherheit im
Alter bringt.
Zwtl.: Städtische Hitzespots reduzieren
„Besonders zu bekämpfen sind die städtischen Hitzespots“, regt
die Armutskonferenz vorbeugende Maßnahmen an. In ländlichen Gebieten
wirken Bäume und andere Pflanzen, aber auch Oberflächenwasser wie
natürliche Klimaanlagen. Sie kühlen die Umgebung in erster Linie
durch die Verdunstung von Wasser. In den städtischen Zentren
verhindert die bebaute Fläche diese Hitzeregulierung. Regenwasser
wird unterirdisch abgeleitet, der Beton und Asphalt macht Verdunstung
unmöglich, heizt sich besonders gut auf und strahlt diese Hitze
wieder ab. Auch die stark erhöhte Oberfläche durch die Gebäude und
das Vermindern der Luftzirkulation tragen zur Hitze bei. Dazu kommen
künstliche Wärmequellen wie Autos, Industrie oder Abwärme von
Klimaanlagen. So kann es in Städten zu bis zu 12 Grad höheren
Temperaturen als in der Umgebung kommen.
Zwtl.: Wasser, Grünraum, Öffentlicher Verkehr, Wohnbau
Grünraum und Wasser in der Stadt verbessert das Klima im Grätzel,
zeigt gesundheitlich positive Auswirkungen, bietet Bewegungsraum für
Jung und Alt, begünstigt als Sozialraum das Gespräch und die
Begegnung. Wichtige Schritte sind strategische Maßnahmen auf der
Ebene von Flächenwidmungen, Raumplanung und Wohnbau. Die Anlage von
Straßenbegleitgrün, grüne Wandelemente, Fassaden- und Dachbegrünung,
Entsiegelung und Regenwassermanagement oder auch die Freilegung von
verrohrten Gewässern. Weiters ist der Ausbau öffentlicher
Verkehrsmittel hilfreich Hitzespots zu verringern. Baulich sind
Maßnahmen notwendig wie zum Beispiel Außenjalousien montieren,
Wärmedämmungen anbringen, Fassaden- und Hofbegrünung, so das Netzwerk
Armutskonferenz abschließend.
Service
* Paniello-Castillo, B., Chen, Z. Y., Shartova, N., Méndez
Turrubiates, R. F., Beltrán, N., Peyrusse, F. et al. (2026).
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contiguous regions. Nature Health. https://doi.org/10.1038/s44360-026
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Paris: Heat exposure and socio-economic vulnerability as
synergistic factors in heat-wave-related mortality:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19642001/
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Madrid: The effect of sociodemographic factors:
https://www.sciencedirect.com
Poverty More than Doubles Your Likelihood of Dying from Heat:
https://thetyee.ca
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the WHO European Region: a scoping review with an intersectional
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driven by compound day–night heat. Nature Communications.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12339726