Arbeiter:innen mussten in Gewächshaus bei fast 50 Grad, hoher Luftfeuchtigkeit und ohne Belüftung schuften

Wien. (OTS) – Hitzeperioden mit Temperaturen bis zu 41 Grad sind für
Arbeitnehmer:innen, die Arbeiten im Freien ausführen, eine extreme
Belastung und gesundheitliche Gefährdung. Besonders Land- und
Erntearbeiter:innen sind in den Mittags- und Nachmittagsstunden der
direkten Sonneneinstrahlung am Feld ausgesetzt, bei gleichzeitiger
Verrichtung körperlich belastender Arbeit wie Jäten oder Ernten. Die
sezonieri-Kampagne für die Rechte von Erntearbeiter:innen in
Österreich kritisiert, dass verpflichtende Schutzmaßnahmen, die laut
Hitzeschutzverordnung für Arbeiten im Freien zu treffen sind,von den
Betrieben nicht immer oder nur unzureichend umgesetzt werden.
Außerdem gebe es zu wenig behördlichen Kontrolle.

„Solche unmenschlichen Arbeitsbedingungen müssen mit allen
Mitteln unterbunden werden. Hier geht es um eine hohe
Gesundheitsgefährdung und um Menschenleben“, betonen Sónia Melo von
der sezonieri-Kampagne und Reinhold Binder, Bundesvorsitzender der
Gewerkschaft PRO-GE.

Aber auch in Innenräumen kann Hitze lebensgefährlich werden, wie
ein krasser Fall in einem Gewächshaus im Wiener Bezirk Simmering
verdeutlicht: Arbeiter:innen berichteten der sezonieri-Kampagne von
Arbeitstagen im Gewächshaus mit Temperaturen zwischen 40 und 50 Grad
und unter teilweise erhöhter Luftfeuchtigkeit aber mit nur geringer
oder keiner Luftbewegung. Laut einer Studie der Arbeiterkammer wären
unter diesen Bedingungen nur rund 15 Minuten ununterbrochene Arbeit
medizinisch vertretbar.

„Solche Arbeitsbedingungen sind ein immenses Risiko für die
körperlich Gesundheit. Hitzschlag, Kollaps und langfristige
körperliche Schäden können die Folgen sein. Hinzu kommt das
gesteigerte Unfallrisiko, das insbesondere bei der Arbeit mit
Maschinen tödlich enden kann“, sagen Melo und Binder. Es brauche
daher dringend gesetzliche Verbesserungen, etwa in der land- und
forstwirtschaftlichen Arbeitsstättenverordnung, damit Arbeiter:innen
auch in Gewächshäusern geschützt werden und Hitzeschutzmaßnahmen
nicht vom Willen der Betriebsführung abhängig sind.

Über die sezonieri-Kampagne

Die sezonieri-Kampagne für die Rechte von Erntearbeiter:innen in
Österreich hat das Ziel, Erntearbeiter:innen über ihre Rechte zu
informieren, sie in der Durchsetzung ihrer bestehenden Rechte zu
unterstützen und Selbstorganisierungsprozesse zu fördern. Sie wurde
2014 von der Produktionsgewerkschaft PRO-GE gemeinsam mit
Aktivist:innen und NGOs gegründet.