AK: Sommerzeit ist Praktikumszeit

Wien (OTS) – Für viele Studierende gehört ein Praktikum zum Sommer.
Doch
ausgerechnet verpflichtende Praktika bleiben häufig unbezahlt – und
Frauen sind davon besonders betroffen. Das zeigt eine neue
Sonderauswertung der Studierenden-Sozialerhebung 2025 im Auftrag der
AK Wien.

Knapp jede:r zweite Studierende (49 Prozent) hat seit
Studienbeginn mindestens ein Praktikum absolviert. Während
freiwillige Praktika leicht zurückgehen, steigt der Anteil
verpflichtender Praktika kontinuierlich an. Bereits 29 Prozent aller
Studierenden haben ein Pflichtpraktikum absolviert – 2019 waren es
noch 24 Prozent. Pflichtpraktika sind insbesondere im Gesundheits-
und Sozialbereich, im Lehramt sowie im Medizinstudium fixer
Bestandteil der Ausbildung. Mit dem steigenden Anteil verpflichtender
Praktika gewinnt auch die Frage nach fairen Arbeitsbedingungen an
Bedeutung.

„ Praktika sind ein wichtiger Teil der Ausbildung. Wer arbeitet
und Verantwortung übernimmt, darf aber nicht leer ausgehen. Gerade
Pflichtpraktika müssen fair bezahlt und arbeitsrechtlich abgesichert
sein, “ so Boris Ginner, Bildungsexperte der AK .

Pflichtpraktika bleiben häufig unbezahlt

Eine faire Bezahlung ist bei Pflichtpraktika jedoch oft die
Ausnahme. Während vier von fünf freiwilligen Praktika entlohnt
werden, erhält nicht einmal jede dritte Person für ein
Pflichtpraktikum in Österreich eine Bezahlung.

Im Gesundheits- und Sozialbereich bleiben 78 Prozent der
Pflichtpraktika unbezahlt, in der Medizin sind es 77 Prozent und im
Lehramt 73 Prozent. Gerade dort, wo praktische Ausbildung
unverzichtbar ist, arbeiten viele Studierende ohne Entgelt.

Frauen sind besonders benachteiligt

„ Besonders alarmierend ist, dass Frauen deutlich häufiger
Pflichtpraktika absolvieren und dafür wesentlich seltener bezahlt
werden. Die Ungleichbehandlung beginnt bereits während der Ausbildung
,“ so Boris Ginner.

Auch insgesamt zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht bei der
Bezahlung von Praktika: Während 42 Prozent der Studentinnen ein
bezahltes Praktikum absolviert haben, waren es bei den Studenten 63
Prozent. Diese Unterschiede bestehen auch innerhalb einzelner
Studienrichtungen. So erhielten im Studienfeld Naturwissenschaften 63
Prozent der Studentinnen, aber 78 Prozent der Studenten eine
Bezahlung für ihr Praktikum.

Auslandspraktika meist ohne Förderung

Auch bei Auslandspraktika zeigt sich Verbesserungsbedarf. Zehn
Prozent der Studierenden absolvieren Praktika im Ausland. Drei
Viertel organisieren und finanzieren diese selbst, Erasmus+
unterstützt lediglich rund jedes fünfte Auslandspraktikum. Besonders
Medizinstudierende absolvieren häufig Praktika im Ausland – meist
ohne finanzielle Unterstützung.

AK fordert: Praktika müssen fair bezahlt und abgesichert werden

Für die AK Wien besteht Handlungsbedarf. Praktika sind ein
wichtiger Bestandteil der Ausbildung und dürfen nicht dazu führen,
dass Studierende unbezahlt reguläre Arbeit leisten. Die AK fordert
daher eine gesetzliche Klarstellung, dass bei Praktika im Zweifel ein
Arbeitsverhältnis vorliegt, ein verpflichtendes Praktikumsentgelt für
alle Auszubildenden, eine volle arbeits- und sozialrechtliche
Absicherung von Pflichtpraktikant:innen sowie schriftliche
Arbeitsverträge. Darüber hinaus braucht es mehr qualitativ
hochwertige Praktikumsplätze, bessere Unterstützung bei der
Praktikumssuche und eine stärkere Vermittlung arbeitsrechtlicher
Grundlagen bereits während der Ausbildung.