Wien/Innsbruck (OTS) – Österreich ist keine große Industrienation.
Österreich ist das Land
der Äcker und Berge. Wir sind führend in der biologischen
Landwirtschaft in Europa und zählen zu den ambitioniertesten Ländern,
wenn es um nachhaltigen und ressourcenschonenden Tourismus geht. Das
hat auch die kürzlich veröffentlichte Tourismusstrategie
unterstrichen.
Ressourcenschutz muss daher unser oberstes Gebot sein. Schon
allein, um die beiden für Österreich besonders wichtigen Branchen
Landwirtschaft und Tourismus sowie unsere generelle Wirtschafts- und
Lebensgrundlage zu schützen.
Der Wirtschaftsbund hat offenbar andere Pläne. Mit einer ewig
gestrigen Denkweise, die zahlreichen nationalen und internationalen
Studien widerspricht, etwa der OECD-Studie 2025 oder den Analysen von
Kontext aus 2024, will man sich offenbar alle Türen offenhalten:
Schlupflöcher bei zu geringem Wirtschaftswachstum, möglichst wenig
verbindliche Vorgaben und natürlich keine Sanktionen, wenn Klimaziele
verfehlt werden.
Dabei ist die Faktenlage deutlich: Ambitionierter Klimaschutz und
wirtschaftliche Entwicklung sind kein Widerspruch. Studien
prognostizieren bei konsequenter Einhaltung von Klimazielen
langfristig sogar ein deutlich höheres globales Wirtschaftswachstum
von rund 0,2% bis 2040, bis zu 3% bis 2050 und bis hin zu 13% bis
2100. Voraussetzung dafür ist eine langfristige, verlässliche
Planung. Genau das ist es, was Unternehmen seit Jahren fordern.
Die aktuelle Belastung vieler Unternehmen ist aber real. Sie ist
aber zu einem wesentlichen Teil Folge fossiler Energiekrisen und der
Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und nicht der Energiewende.
Wer diese Zusammenhänge ignoriert, verwechselt Ursache und Wirkung.
Obwohl gerade die Industrie von einer ambitionierten Klimapolitik
profitieren kann, setzt der Wirtschaftsbund mit seinem kurzfristigen
und faktenfernen Denken die Grundlagen von Landwirtschaft, Tourismus
und damit letztlich die Ressourcen und Lebensgrundlage von uns allen
aufs Spiel.
Was es neben verbindlichen Zielen braucht, sind klare und
ambitionierte Maßnahmen, die nachhaltiges Wirtschaften belohnen und
unsere Ressourcen schützen.
– Klimaschädliche Subventionen müssen endlich abgebaut werden.
Freiwerdende Mittel müssen gezielt in die klimaneutrale
Transformation investiert werden.
– Öffentliche Förderungen für die Industrie müssen stärker an
verbindliche und überprüfbare Klimaziele geknüpft werden.
– Der CO₂-Preis sollte schrittweise auf 150 bis 200 Euro pro Tonne
steigen, damit die tatsächlichen Folgekosten fossiler Energien besser
berücksichtigt werden. Die daraus entstehenden Einnahmen können
beispielsweise durch Entlastungen an Haushalte zurückgegeben werden.
– Investitionen in Klimaschutz müssen dort priorisiert werden, wo sie
gleichzeitig wirtschaftlich sinnvoll sind. Zb. bei Gebäudesanierung,
erneuerbaren Energien, Netzen und Speichern, öffentlicher Mobilität
oder der Dekarbonisierung der Industrie.
Denn die Schäden für die Landwirtschaft sind nur ein Teil der
Rechnung. Hinzu kommen steigende Kosten für das Gesundheitssystem,
mehr Hitzetote, höhere Lebensmittelpreise infolge von Ernteausfällen
und eine sinkende Leistungsfähigkeit durch zunehmende Hitze. Was
heute noch als „Ausnahmejahr“ bezeichnet wird, wird künftig immer
häufiger Realität werden. Extremwetterereignisse nehmen zu und mit
ihnen die wirtschaftlichen Schäden.
Prävention ist kein Luxus. Prävention ist die wirtschaftlich
vernünftigere Antwort auf eine Krise, deren Kosten jedes Jahr größer
werden.