Wien (OTS) – Am 15. August 2026 jährt sich die erneute Machtübernahme
der Taliban
in Afghanistan zum fünften Mal. Seither haben politische und
wirtschaftliche Instabilität, Vertreibung und die weitgehende
Entrechtung von Frauen und Mädchen die humanitäre Krise im Land
weiter verschärft. Rund 21,9 Millionen Menschen – etwa 45 Prozent der
Bevölkerung – sind auf humanitäre Hilfe angewiesen (UNOCHA).
„Das Leben in Afghanistan nach fünf Jahren Taliban-Herrschaft zu
beschreiben, heißt, viele Superlative bemühen zu müssen“, betont
Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. „Afghanistan gehört zu den
ärmsten Ländern der Welt und befindet sich auch 2026 in einer der
größten humanitären Krisen weltweit.“
Rund 30 Prozent der Menschen sind unterernährt. Grundbedürfnisse
wie Nahrung, medizinische Versorgung und Bildung sind für viele nicht
gesichert. Gleichzeitig steigen die Preise, während es kaum Arbeits-
und Einkommensmöglichkeiten gibt. Internationale Sanktionen, ein nur
eingeschränkt funktionierendes Bankensystem sowie Schwierigkeiten
beim Geld- und Warenverkehr verschärfen die wirtschaftliche Not
zusätzlich.
Hinzu kommt, dass zahlreiche Afghaninnen und Afghanen, die in den
vergangenen Jahrzehnten in Nachbarländern wie Pakistan Schutz gesucht
haben, zur Rückkehr gezwungen sind. Viele von ihnen kommen in ein
Land zurück, in dem sie weder über eine Unterkunft noch über eine
gesicherte Lebensgrundlage verfügen.
Außerdem ist Afghanistan regelmäßig von Dürren und Ernteausfällen
betroffen. Erdbeben, Erdrutsche und Überschwemmungen zerstören immer
wieder Häuser, Infrastruktur und landwirtschaftliche Flächen. Die
Folgen solcher Katastrophen treffen eine Bevölkerung, deren
Widerstandskraft nach Jahrzehnten von Konflikten und Krisen
weitgehend erschöpft ist.
Zwtl.: Frauen und Mädchen aus dem öffentlichen Leben verdrängt
Besonders dramatisch ist die Situation von Frauen und Mädchen.
Bereits während der ersten Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 waren
ihre grundlegenden Rechte weitgehend außer Kraft gesetzt. Seit der
erneuten Machtübernahme im Jahr 2021 wurden ihre Rechte abermals
massiv eingeschränkt.
Frauen und Mädchen sind weitgehend aus dem öffentlichen Leben
ausgeschlossen. Sie dürfen zahlreiche öffentliche Einrichtungen wie
Parks, Fitnessstudios oder Sportvereine nicht besuchen und an vielen
öffentlichen Veranstaltungen nicht teilnehmen. Mädchen dürfen nach
der sechsten Schulstufe keine weiterführende Schule besuchen. Frauen
sind zudem beinahe vollständig aus der Arbeitswelt ausgeschlossen.
Dennoch versuchen einige, weiterhin ein Einkommen zu erzielen –
etwa durch Tätigkeiten von zu Hause aus, über Onlineplattformen, in
privaten Haushalten, als Lehrerinnen für jüngere Schülerinnen oder in
Teilen des Gesundheitswesens. Gerade bei der medizinischen Versorgung
von Frauen sind weibliche Fachkräfte unverzichtbar, da Patientinnen
vielfach nicht von Männern behandelt werden dürfen.
Zwtl.: Hilfsorganisationen arbeiten unter schwierigen Bedingungen
weiter
Nach der erneuten Machtübernahme der Taliban verließen viele
internationale Hilfsorganisationen sowie zahlreiche gut ausgebildete
afghanische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Land. Andere setzen
ihre Arbeit trotz der schwierigen Bedingungen fort.
Die Diakonie Katastrophenhilfe arbeitet in Afghanistan seit
vielen Jahren mit Norwegian Church Aid zusammen. Die
Partnerorganisation ist bereits seit den 1990er-Jahren im Land tätig
und beschäftigt überwiegend einheimische Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter. In den vergangenen Jahren unterstützte die Diakonie
Katastrophenhilfe mithilfe von Spenden Menschen, die von den schweren
Erdbeben in Herat und Kunar betroffen waren und besonders bedürftige
Familien, die aus Pakistan abgeschoben wurden.
Aktuell unterstützt die Diakonie Katastrophenhilfe gemeinsam mit
ihrer Partnerorganisation Familien dabei, eine berufliche Perspektive
aufzubauen. Jeweils 55 Frauen und 55 Männer nehmen getrennt
voneinander an bedarfsgerechten Ausbildungskursen teil.
Die Teilnehmenden erwerben unter anderem Kenntnisse in den
Bereichen Handarbeit, Schneiderei, Autoreparatur und Elektrotechnik.
Ziel ist es, ihnen die Herstellung und den Verkauf eigener Produkte
oder das Anbieten handwerklicher Dienstleistungen zu ermöglichen.
Zusätzlich erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer finanzielle
Unterstützung, damit sie die notwendigen Werkzeuge und Materialien
anschaffen können. So sollen sie langfristig ein eigenes Einkommen
erwirtschaften und ihre Familien selbstständig versorgen können.
Aufgrund der starken Kürzungen öffentlicher Fördermittel ist die
Fortsetzung dieser Hilfsangebote zunehmend gefährdet. Die Diakonie
Katastrophenhilfe und ihre Partner sind daher dringend auf Spenden
angewiesen, um die Menschen in Afghanistan auch weiterhin
unterstützen zu können.
Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet um Spenden
Spendenkonto: Diakonie Austria gemeinnützige GmbH | IBAN: AT07
2011 1800 8048 8500 | BIC: GIBAATWWXXX | Spendenkennwort:
Katastrophenhilfe
Online spenden: https://diakonie.at/katastrophenhilfe