Auf den Spuren der Schmuggler in der Schweiz

Wien/Zürich (OTS) – Versteckte Grenzpfade, aussichtsreiche Alpenpässe
und geheimnisvolle
Waldwege führen Wandernde zu den Schauplätzen einer faszinierenden
Vergangenheit. Die historischen Schmugglerwege der Schweiz verbinden
eindrucksvolle Natur mit spannenden Geschichten über Mut,
Einfallsreichtum und das Leben entlang der Grenzen.

Lange bevor moderne Verkehrswege entstanden, nutzten Händler,
Säumer und Schmuggler schmale Bergpfade und abgelegene Waldwege, um
Waren über die Landesgrenzen zu transportieren. Hohe Zölle,
wirtschaftliche Not und politische Umstände machten den Schmuggel
vielerorts zu einem wichtigen Bestandteil des Alltags für die
dortigen Männer und Frauen. Heute laden zahlreiche dieser
historischen Routen dazu ein, die Schweizer Grenzgeschichte zu Fuß zu
entdecken. Ob im Tessin, im Wallis, in Graubünden oder im Jura – jede
Region erzählt ihre eigene Geschichte von Menschen, die Grenzen
überwanden und Wege nutzten, die heute Wandernden offenstehen.

Zwtl.: Tessin – auf den Spuren der „Spalloni“

Entlang der Grenze zur italienischen Lombardei entstand über
Generationen ein weit verzweigtes Netz geheimer Pfade. Berühmt wurden
die sogenannten „Spalloni“: Lastenträger, die schwere Säcke mit
Kaffee, Zucker, Reis, Tabak oder Stoffen auf dem Rücken über die
Berge transportierten. Der gemeinnützige Geschichtsverein „Insubrica
Historica“ bietet eine vierstündige geführte Trekkingtour nahe der
Grenze ab Ascona in Richtung Brissago auf einem historischen Pfad in
Kleingruppen von vier bis sieben Teilnehmenden an. Auf einer Höhe von
1100 Metern überqueren die Teilnehmenden die Grenze nach Italien. In
den 1940er und 1950er Jahren wurde dieser Pfad nicht nur für den
Transport von Schmuggelware genutzt – auch Partisanen und Flüchtlinge
gelangten auf diesem Wege in die Schweiz. Nächste Termine für die
Trekkingtour sind der 25. Juli, 1. August und der 3. Oktober. Weitere
Termine können auf Anfrage bei Insubrica Historica organisiert
werden.

Zwtl.: Wallis – Historische Alpenpässe zwischen Handel und Schmuggel

Neben Händlern und Säumern nutzen auch Schmuggler die
anspruchsvollen Routen über die hohen Alpenpässe vom Wallis nach
Norditalien, um Kaffee, Salz, Wein, Käse oder Vieh über die Grenze zu
bringen. Besonders eindrucksvoll lässt sich diese Geschichte auf
einer Wanderung über den Griespass erleben. Der historische Übergang
zählt zu den bedeutendsten Schmugglerwegen der Alpen. Die
anspruchsvolle achtstündige Wanderung auf einer Strecke von rund 20
Kilometern beginnt im Rhonetal im Dorf Ulrichen und führt dann
entlang des historischen Maultierpfades in das Wilde Ägenetal über
den Nufenenpass und den Cornopass bis zum Griespass an der Grenze zu
Italien. Ebenso erinnern Wanderungen am Simplonpass oder am Grossen
St. Bernhard an die Zeit, als Waren oftmals fernab der offiziellen
Zollstationen transportiert wurden.

Zwtl.: Graubünden – Schmuggler- und Säumerpfade durch die Alpen

Graubünden verfügt über eines der ältesten Verkehrswegenetze
Europas. Die historischen Säumerwege über den Splügenpass, den
Umbrailpass oder den Ofenpass waren jahrhundertelang wichtige
Handelsverbindungen zwischen der Schweiz, Italien und Österreich. Ein
Schmugglerlehrpfad – mit einer Länge von einem Kilometer geeignet für
eine Tour mit der ganzen Familie – führt über 17 Stationen ab Maloja
im Bergell bis zum Lägh da Bitabergh. Unterwegs auf dem Pfad, der in
der Vergangenheit für Schmuggel nach Italien genutzt wurde, erfahren
Jung und Alt einiges über die geschmuggelten Waren, die Schmuggler
und die Tricks, um Gefahren am Wegesrand auszuweichen. Die kurze Tour
führt durch Lärchenwälder zum Bitabergh See oberhalb von Maloja. Wer
auf der Suche nach einer anspruchsvolleren Tour ist, für den ist die
zweitägige Trekkingtour mit einer Länge von 23,4 Kilometern rund um
die Madrisa diesseits und jenseits der schweizerischen-
österreichischen Grenze das Richtige. Die Tour ist interaktiv
gestaltet: Entlang der Route gilt es 12 Schmugglerdepots zu finden.
Alle Depots enthalten Wissenswertes zur Welt der Schmuggler sowie ein
Rätsel, mit dessen Lösung Wandernde zum nächsten Versteck auf der
Route finden.

Zwtl.: Jura & Drei-Seen-Land – Grenzwälder voller Geschichten

Auch entlang der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich
entwickelte sich eine lebendige Schmugglerkultur. Die ausgedehnten
Wälder und Schluchten des Juras boten ideale Voraussetzungen für
heimliche Grenzübertritte. Geschmuggelt wurden unter anderem Kaffee,
Tabak, Salz, Stoffe und Uhren. Auf drei verschiedenen mehrtägigen
Schmugglerrouten mit einer Länge von 45 bis 77 Kilometern sowie einer
Mountainbikestrecke mit einer Länge von 252 Kilometern „Les Chemins
de la Contrebande franco-suisse“ können Reisende die
geschichtsträchtige Landschaft erkunden. Die Wege führen entlang des
Grenzflusses Doubs zwischen der Schweiz und Frankreich und durch die
Wälder des Jura. Die enge Verbindung von Natur, Grenzgeschichte und
dem Leben der Bevölkerung damals ist dort eindrucksvoll zu erleben.

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