Aktives Zuhören: Bundesforste setzen auf akustisches Monitoring für seltene Vogelarten

Purkersdorf (OTS) – Zwergohreule, Wachtelkönig oder Auerhuhn: Sie
alle gelten als
gefährdete bzw. potenziell gefährdete Arten und sind in der Natur nur
selten mit freiem Auge zu beobachten. Daher setzen die
Österreichischen Bundesforste (ÖBf) beim Monitoring verstärkt auf
akustische Erhebungsmethoden mit KI-gestützter Auswertung. Arten
werden dabei ausschließlich anhand ihrer Rufe erfasst. Projekte in
den ÖBf-Nationalparkbetrieben Kalkalpen und Donau-Auen mit Nachweisen
sehr scheuer oder seltener Vogelarten zeigen das Potenzial der
Methode für künftige Monitoringansätze.

„Unsere Wälder stehen durch den Klimawandel vor großen
Herausforderungen. Es ist unsere Jahrhundertaufgabe, die Wälder
klimafit zu machen und gleichzeitig wertvolle Lebensräume für
Pflanzen und Tiere zu erhalten und zu verbessern. Schutzgebiete
leisten dazu einen unverzichtbaren Beitrag. Die Erfassung ihrer
Artenvielfalt schafft die Grundlage, um diese Naturschätze
langfristig zu sichern und für kommende Generationen zu bewahren“,
betont Andreas Gruber, Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz
der Österreichischen Bundesforste, die einen Großteil der Flächen in
die Nationalparke Kalkalpen und Donau-Auen einbringen.

Leiser Einzug in die Biodiversitätsforschung

Moderne digitale Technologien im Monitoring ergänzen klassische
Erhebungen, wo menschliche Anwesenheit auch teilweise Ergebnisse
verfälscht oder relevante Vorgänge dem Menschen schlichtweg verborgen
bleiben. Die Datenerhebung, wie sie beim KI-gestützten akustischen
Monitoring zur Anwendung kommt, läuft über winzige, im Freien
montierte Audiorekorder. Diese zeichnen über mehrere Wochen und bei
Bedarf auch über Jahre hinweg kontinuierlich kurze Tonsequenzen auf
und ermöglichen damit eine standardisierte sowie störungsfreie
Erhebung. Die Standorte für die Anbringung der Rekorder werden je
nach Lebensraumansprüchen der Arten-Vorkommen gewählt. Nachdem die
Geräte nach einmaliger Anbringung autonom laufen, bietet sich der
Einsatz der Methode auch in schwer zugänglichen Gebieten an. Nach
Einholen der Rekorder werden die Tierlaut-Aufnahmen mit Hilfe von KI-
Software von anderen Waldgeräuschen unterschieden, von Expert*innen
überprüft und bestimmten Arten konkret zugeordnet.

Hörbare Nachweise und überraschende Entdeckungen

Gerade beim Auerhuhn (Tetrao urogallus ) ist eine störungsarme
Monitoring-Methode essenziell: Die Tiere sind scheu und außerhalb der
Balzzeit schwer nachzuweisen. Doch während der Balz reagiert das
Auerhuhn besonders empfindlich auf Störungen. 20 Audiorekorder, die
im Zuge einer Pilotstudie gemeinsam mit dem Bundesforschungszentrum
für Wald im Nationalpark Kalkalpen installiert wurden, gaben nun
Aufschluss über das Auerhuhn-Vorkommen der Region. Mit Hilfe der KI
konnte das gesammelte Audiomaterial von etwa 200.000 Minuten Ton
unkompliziert und rasch ausgewertet und das Vorkommen des Auerhuhns
an den ausgewählten Standorten mit dem Erfassen seiner Laute
erfreulicherweise eindeutig bestätigt werden.

Auch in den Donau-Auen entwickeln die Bundesforste die Methode in
Zusammenarbeit mit der Firma capreolus weiter. Im Zuge eines
Dauermonitorings im Schlosspark Eckartsau, das seit Mai 2024
durchgehend läuft, konnte man bereits die Laute von deutlich über 100
Vogelarten aufzeichnen und somit einen wertvollen Überblick über die
Artenvielfalt erlangen. Auch den stark bedrohten Wachtelkönig ( Crex
crex ), „Wiesenknarrer“ genannt, versucht man mit jährlichen ein- bis
zweimonatigen Monitorings in den Donau-Auen nachzuweisen und
entdeckte ihn schließlich tatsächlich auf einer ÖBf-Wiesenfläche. Als
Sensation gilt, dass dabei rein zufällig auch der Nachweis der extrem
seltenen und hierzulande vom Aussterben bedrohten Zwergohreule ( Otus
scops ) gelang.

Monitoring als Basis für Schutzmaßnahmen

Der Nachweis der Tierarten ist zentral und dennoch nur ein
Teilaspekt des neuen Monitoring-Ansatzes: Neben der Weiterentwicklung
und Verfeinerung der Methode geht mit dem Kenntnisgewinn über die
Tierarten auch die direkte Ableitung von Schutzmaßnahmen wie
beispielsweise der Mahd-Aufschub bei Brutflächen oder das Setzen von
Besucherlenkungsmaßnahmen einher. Erste Einsätze der akustischen
Monitoringmethode – auch über die Vogelwelt hinaus – sind bereits in
Umsetzung und sollen weitere Einblicke beispielsweise in die Welt der
Amphibien und Fledermäuse geben.

Pressefotos unter www.bundesforste.at .