Indien ruft: Warum Standards am Wachstumsmarkt den Unterschied machen

Wien (OTS) – Indien zählt zu den wichtigsten Zukunftsmärkten für
österreichische
und europäische Unternehmen. Mit 1,45 Milliarden Menschen, einer der
größten Volkswirtschaften der Welt und starkem Wachstum gewinnt der
Markt weiter an Bedeutung. Rund 17.100 Arbeitsplätze in Österreich
sind direkt oder indirekt vom Export nach Indien abhängig. Das
jährliche Exportvolumen beträgt dabei etwa 1,536 Milliarden Euro.
Gleichzeitig bleibt der Einstieg anspruchsvoll, weil bestimmte
regulatorische Anforderungen und handelspolitische Rahmenbedingungen
von jenen in der EU abweichen.

Wie sich Unternehmen darauf vorbereiten können, stand im
Mittelpunkt des Online-Events „Standards and Market Access in India –
What Austrian Companies Need to Know“, das Austrian Standards am 28.
Mai 2026 veranstaltete. Vor dem Hintergrund intensivierter
Handelsbeziehungen und dem Freihandelsabkommen zwischen der EU und
Indien, das bereits als „the mother of all deals“ bezeichnet wurde,
gaben Experten Einblicke in Normung, Regulierung und Marktzugang.

„ Indien ist ein Markt mit großem Potenzial, aber auch mit klaren
regulatorischen Anforderungen. Für Unternehmen ist entscheidend,
Standards und Zertifizierung nicht erst am Ende eines Exportprozesses
zu betrachten, sondern von Beginn an in ihre Markteintrittsstrategie
einzubeziehen. Standards bauen dabei Brücken – zwischen Märkten,
regulatorischen Anforderungen und Geschäftspartnern – und schaffen
Vertrauen sowie Planungssicherheit “, unterstrich Karl Grün, Deputy
Managing Director und Head of Standards Affairs bei Austrian
Standards International , in seiner Begrüßungsrede.

Dinesh Chand Sharma, Director Standards & Public Policy und
Seconded European Standardization Expert in India (SESEI), erklärte,
dass die Rolle des Projekts und seine lokale Präsenz in Indien als
Brücke zwischen dem europäischen und dem indischen Normungssystem
wirken: „ Wenn Europäische Normen in Indien übernommen oder als
Referenz herangezogen werden, schafft das deutlich mehr Orientierung,
Vergleichbarkeit und Vertrauen für Unternehmen auf beiden Seiten.
Insbesondere in Schlüsselbereichen wie Smart Infrastructure, Digital
Product Passport und Machinery können gemeinsame harmonisierte Normen
technische regulatorische Handelshemmnisse abbauen und Innovationen
spürbar schneller auf den Markt bringen. Das gilt auch dort, wo das
Prinzip ‚international first‘ zum Tragen kommt, also die nationale
Übernahme Internationaler Normen von ISO und IEC. In Indien sind
bereits mehr als 40 Prozent des indischen Normenbestands identisch
mit ISO- und IEC-Normen. “

Einen handelspolitischen Überblick gaben Jorge Torres und
Raffaele Quarto, beide Policy Coordinator bei DG TRADE der
Europäischen Kommission . Im Mittelpunkt standen die Ergebnisse der
abgeschlossenen Verhandlungen des EU-Indien-Freihandelsabkommens,
technische Handelshemmnisse, Konformitätsbewertung und die nächsten
Schritte.

Jorge Torres verwies dabei auf rund 17.100 Arbeitsplätze in
Österreich, die direkt oder indirekt mit Exporten nach Indien
verbunden sind. Dazu zählen sowohl österreichische Exporte als auch
Vorleistungen aus Österreich, die über andere EU-Mitgliedstaaten nach
Indien exportiert werden. Die österreichischen Exporte nach Indien
belaufen sich jährlich auf mehr als 1,5 Milliarden Euro. Mit dem
Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien dürfte diese Dynamik
weiter zunehmen: EU-Unternehmen werden künftig viele Produkte
kostengünstiger nach Indien exportieren können, da Indien Importzölle
deutlich senkt. Insgesamt sollen mehr als 96 Prozent der EU-Waren von
Zollsenkungen profitieren.

Raffaele Quarto ging auf die Herausforderungen ein, mit denen
europäische Unternehmen beim Zugang zum indischen Markt konfrontiert
sind. Er hob insbesondere hervor, dass Unternehmen mehr
Vorhersehbarkeit benötigen. Konformitätsbewertungsverfahren im
Zusammenhang mit Indiens zunehmender Nutzung von Quality Control
Orders, kurze Fristen zur Einhaltung regulatorischer Anforderungen
sowie komplexe Werksinspektionen können Exporte verzögern und
zusätzliche Kosten verursachen. Genau hier soll das
Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien ansetzen: durch mehr
Transparenz, besser vorhersehbare Fristen, faire Möglichkeiten zur
Einbindung der EU-Industrie und einen strukturierten Dialog zur
Vereinfachung von Konformitätsbewertungsverfahren.

Den praktischen Blick auf den Markteintritt brachte Alok Kesari,
Director Policy Advocacy and Trade Facilitation bei der Federation of
European Business in India (FEBI), ein. Er zeigte, welchen
regulatorischen Anforderungen europäische Unternehmen in Indien
besondere Aufmerksamkeit schenken müssen, und stellte unter anderem
„Know Your Standard“ vor, ein Tool des Bureau of Indian Standards (
BIS), der nationalen Normungsorganisation Indiens. Es unterstützt
Unternehmen dabei, relevante indische Normen, deren Übereinstimmung
mit Internationalen Normen von ISO/IEC sowie Anforderungen zur
Einhaltung von Quality Control Orders zu identifizieren. „ Indien ist
für europäische Unternehmen aufgrund von Investitionsmöglichkeiten,
politischer Stabilität, gut ausgebildeten Fachkräften und hoher
Kosteneffizienz attraktiv. Gleichzeitig sollten sich Unternehmen gut
auf regulatorische Genehmigungen, Compliance und Importvorschriften
vorbereiten, da diese Herausforderungen mit sich bringen können. Für
Unternehmen ist es entscheidend, Investitionspotenzial und Normen
gemeinsam zu betrachten “, sagte Alok Kesari.

In der anschließenden Diskussion wurde zudem klar: Eine CE-
Kennzeichnung allein reicht für den indischen Markt nicht automatisch
aus. Für Produkte, die unter eine indische Quality Control Order
fallen, müssen Unternehmen die jeweils anwendbaren indischen
Standards, Zertifizierungs- und Konformitätsbewertungsverfahren
frühzeitig prüfen.

Fazit der Veranstaltung: Standards sind beim Eintritt in den
indischen Markt keine nachgelagerte Formalität, sondern ein
strategischer Faktor. Sie helfen Unternehmen, regulatorische Risiken
zu reduzieren, Anforderungen besser einzuschätzen und den Marktzugang
langfristig vorzubereiten. Standards sind somit ein strategisches
Instrument angewandter Wirtschafts- und Handelspolitik, wie an dem
Beispiel des Freihandelsabkommens zwischen der EU und Indien zu sehen
ist.

Weitere Informationen finden Sie in unseren Expert Chats –
Standards und Marktzugang in Indien .