Wien (OTS) – Am heutigen europäischen Protesttag zur Gleichstellung
von Menschen
mit Behinderungen -Tag der Inklusion warnt pro mente Austria vor
strukturellem Rückbau zentraler Unterstützungsangebote im
psychosozialen Bereich. Einsparungen gefährden die Versorgung,
treiben Folgekosten in die Höhe und untergraben langfristig die
Stabilität des Systems. pro mente Austria sieht durch aktuelle
Budgetmaßnahmen gewachsene Versorgungsstrukturen gefährdet – und
fordert ein klares politisches Bekenntnis zur psychischen Gesundheit
als gesellschaftliche Kernaufgabe. Denn Teilhabe ist ein
Menschenrecht.
Österreich steht vor budgetären Herausforderungen – doch die
derzeit gesetzten Maßnahmen im Sozialbereich treffen aus Sicht von
pro mente Austria einen sensiblen Kern der Versorgung. Betroffen sind
insbesondere Menschen, die ohnehin mehrfach belastet sind:
arbeitslose Personen mit psychischen Erkrankungen, junge Menschen in
instabilen Lebenssituationen oder Menschen mit gesundheitlichen
Einschränkungen.
„Psychische Erkrankungen lassen sich nicht einsparen. Werden
Unterstützungsangebote reduziert, verschieben sich Probleme – und
kehren später umso kostenintensiver zurück“ , erklärt PDoz. Dr.
Günter Klug, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie sowie
psychotherapeutische Medizin und Präsident von pro mente Austria.
Neben dem individuellen Leid entstünden dadurch erhebliche
Mehrbelastungen für andere Systeme, etwa in den Bereichen Gesundheit
und Pflege.
Zwtl.: Förderpolitik unter Druck
Zentrale Herausforderungen ergeben sich insbesondere aus
Entwicklungen rund um das Sozialministeriumservice und den
Ausgleichstaxfonds (ATF). Die geplante schrittweise Reduktion der
Zuschüsse bedeutet für viele Trägerorganisationen eine massive
Verschärfung der Rahmenbedingungen.
„Wir erleben aktuell eine Zuspitzung, die an die Substanz der
bestehenden Strukturen geht“ , so MMag. Gernot Koren, MAS,
Vizepräsident von pro mente Austria. „Hier geht es längst nicht mehr
um Optimierung, sondern um die Frage, ob Angebote überhaupt
aufrechterhalten werden können.“
Bereits jetzt zeigen sich konkrete Auswirkungen: Projekte werden
eingeschränkt, Standorte stehen zur Disposition, qualifiziertes
Personal verlässt den Sozialbereich.
„Wenn Fördermodelle die tatsächlichen Kosten nicht mehr abdecken,
entstehen zwangsläufig Versorgungslücken“ , betont MMag.a Eva
Blagusz, Vorstandsmitglied von pro mente Austria. „Für Betroffene
bedeutet das weniger Unterstützung, längere Wartezeiten und
reduzierte Entwicklungschancen.“
Zwtl.: Arbeitsmarktpolitische Einschnitte mit weitreichenden Folgen
Auch im arbeitsmarktpolitischen Kontext verstärken
Budgetkürzungen den Druck. Besonders betroffen sind Menschen mit
psychischen oder gesundheitlichen Einschränkungen, die auf intensive
Begleitung angewiesen sind.
„Wird diese Unterstützung zurückgefahren, verlängern sich
Arbeitslosigkeitsphasen – mit erheblichen Auswirkungen auf die
Betroffenen und die Volkswirtschaft“ , so Blagusz.
Arbeitsmarktpolitik erfülle dabei eine zentrale stabilisierende
Funktion.
Die aktuellen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die
Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen ist zuletzt deutlich
stärker gestiegen als im Gesamtdurchschnitt. Gleichzeitig bleibt der
Bedarf an Unterstützungsangeboten hoch.
Zwtl.: Verdeckte Kürzungen durch fehlende Anpassungen
Zusätzlich zu direkten Einschnitten wirkt auch die fehlende
Anpassung von Budgets an steigende Kosten als Belastungsfaktor.
Gleichbleibende Mittel bedeuten in der Praxis sinkende
Leistungsfähigkeit.
„Wenn Kosten steigen und Budgets stagnieren, wird das System
schrittweise ausgehöhlt“ , erklärt Koren. „Einsparungen im
psychosozialen Bereich führen mit zeitlicher Verzögerung zu deutlich
höheren gesamtgesellschaftlichen Kosten.“
Zwtl.: Stabilität sichern statt Strukturen abbauen
Trotz der angespannten Situation tragen zentrale Elemente
weiterhin zur Stabilität der Versorgung bei – etwa der Ausbau
klinisch-psychologischer Angebote oder funktionierende
sozialpartnerschaftliche Lösungen.
Entscheidend seien jedoch vor allem die Mitarbeiter:innen in den
Einrichtungen: „Die Qualität des Systems steht und fällt mit dem
Engagement der Fachkräfte“ , so Koren. Gleichzeitig erschwere die
aktuelle Debatte um Einsparungen die Gewinnung neuer
Mitarbeiter:innen.
Zwtl.: Forderung nach strategischer Neuausrichtung
pro mente Austria fordert ein klares Umdenken in der politischen
Prioritätensetzung:
– Absicherung bestehender Versorgungsstrukturen
– Verzicht auf weitere Einschnitte und schleichende Kürzungen
– Entwicklung eines bundesweiten Aktionsplans Psychische Gesundheit
mit langfristiger Finanzierung
„Psychosoziale Versorgung ist kein Randthema, sondern ein
zentraler Bestandteil gesellschaftlicher Stabilität“ , betont Klug.
„Investitionen in diesem Bereich wirken nachhaltig – sowohl sozial
als auch wirtschaftlich.“
Psychische Gesundheit betrifft die gesamte Bevölkerung. Eine
stabile Versorgung ist daher nicht nur eine Frage der Unterstützung
Einzelner, sondern eine Investition in die Zukunftsfähigkeit der
Gesellschaft insgesamt.
pro mente Austria
Seit nunmehr 50 Jahren vertritt pro mente Austria als Dachverband
insgesamt 26 Mitgliederorganisationen, die in ganz Österreich mit
ihren 5.500 Mitarbeiter:innen Menschen mit psychischen oder
psychosozialen Problemen versorgen. Multiprofessionelle Teams der
Mitglieder decken alle Dienstleistungen ab, die die psychosoziale
Gesundheit Einzelner und der Gesellschaft fördern: Sie bieten
psychosoziale und sozialpsychiatrische Versorgung, Wohn- und
Betreuungsangebote und Arbeitsprojekte sowie Prävention &
Rehabilitation und Aus- und Fortbildung. pro mente Austria vertritt
die gemeinsamen Ziele der Mitglieder sowohl in Österreich als auch im
Ausland und bietet eine Plattform für unkomplizierten
Informationsaustausch. Nach außen steht pro mente Austria als
Ansprechpartner für alle Stakeholder:innen im Bereich der psychischen
und sozialen Gesundheit zur Verfügung.