Wien (OTS) – Die Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität an
Österreichs
Hochschulen zählen zu den zentralen Aufgaben der Agentur für
Qualitätssicherung und Akkreditierung (AQ Austria). Diese werden in
Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Institutionen und Akteuren
wahrgenommen – mit klar verteilten Rollen, aber einem gemeinsamen
Ziel: international anerkannte Qualität in Lehre, Forschung und
gesellschaftlichem Auftrag.
Die Programmakkreditierung von neuen Studiengängen an den 21
österreichischen Fachhochschulen (FH) bzw. Hochschulen für Angewandte
Wissenschaften (HAW) ist aktuell in Diskussion. Sowohl das
Ministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF), als auch
die Fachhochschulen und die AQ Austria sehen übereinstimmend
Entwicklungsbedarf. Denn die Anforderungen an Hochschulen verändern
sich laufend. Themen wie lebensbegleitende Weiterbildung, Künstliche
Intelligenz und Internationalisierung aber auch Wettbewerb prägen
diese Entwicklung. Gleichzeitig haben sich die Fachhochschulen seit
ihrer Einführung 1994 stark weiterentwickelt: Sie haben ihr
Studienangebot erweitert, ihre Forschung ausgebaut und sich als
eigenständige Hochschulen etabliert. Entsprechend müssen auch die
Instrumente der internen und externen Qualitätssicherung angepasst
werden. Die AQ Austria steht dazu seit 2023 im Austausch mit dem
Wissenschaftsministerium und der Fachhochschulkonferenz (FHK).
Ziel ist es, die Programmakkreditierung für neue Studiengänge an
etablierten Fachhochschulen effizienter und weniger bürokratisch zu
gestalten. Mit einer Ende 2024 überarbeiteten Verordnung hat die AQ
Austria bereits wichtige Schritte zur Vereinfachung, Beschleunigung
und Flexibilisierung der Akkreditierungsverfahren gesetzt.
Leitprinzip ist: so viel Prüfung wie nötig, so wenig Aufwand wie
möglich, um die Qualität eines Angebots bewerten zu können. Die
Vorgangsweise orientiert sich also am jeweils beantragten
Studiengang. Während früher jeder Antrag umfassend begutachtet wurde,
können Verfahren nun in der Mehrheit der Fälle bereits deutlich
vereinfacht werden. Zudem wurde von der AQ Austria der FHK und dem
BMFWF vorgeschlagen, Darlegungs- und Nachweispflichten zu erleichtern
und nur noch auf die qualitativ entscheidenden Bereiche zu
fokussieren: Der Studienplan und damit wesentliche Elemente des
Curriculums sowie die Voraussetzungen für eine qualitätsvolle
Implementierung des Studiengangs, also Personal, Infrastruktur und
Finanzierung.
Unverändert bleibt jedoch: Die Qualität neuer Studiengänge wird
weiterhin unabhängig geprüft und international anschlussfähig
gesichert.
„Die Fachhochschulen und ihr Umfeld haben sich stark entwickelt –
und genau deshalb braucht es eine Qualitätssicherung, die mit dieser
Entwicklung Schritt hält“, betont die AQ Austria.
Die FHK fordert seit Jahren die vollständige Abschaffung der
Programmakkreditierung. Sie argumentiert, diese sei redundant,
verzögere Innovationen und verlängere die Entwicklungszeit neuer
Studiengänge. Fachhochschulen müssten flexibler und schneller auf
Anforderungen von Wirtschaft und Arbeitsmarkt reagieren können. Trotz
intensiver Zusammenarbeit hält die FHK an ihrer Maximalforderung fest
und lehnt externe Qualitätssicherung von Studiengängen weiterhin
grundsätzlich ab. Die Begutachtung neuer Studienangebote durch
unabhängige Expert*innen – ein im Europäischen Hochschulraum
etablierter Standard – wird abgelehnt.
Aus Sicht der AQ Austria ist diese Position nicht überzeugend und
mit europäischen Qualitätsstandards nicht vereinbar.
Die AQ Austria vertritt hier eine differenzierte Perspektive: Die
Hauptverantwortung für Qualität liegt selbstverständlich bei den
Hochschulen selbst. Die externe Qualitätssicherung bietet aber eine
kritisch-konstruktive Außenperspektive, schafft Vertrauen bei
Studieninteressierten, sichert die legitime Verwendung öffentlicher
Mittel und gewährleistet die nationale wie internationale Anerkennung
von Abschlüssen. Durch diese Dualität entsprechen Hochschulen nicht
nur aktuellen Standards, sondern können, vor allem im Sinne ihrer
Studierenden und der Gesellschaft, qualitätsgesichert und
zukunftsorientiert planen und handeln
„Vertrauen entsteht nicht durch Selbsteinschätzung, sondern durch
unabhängige, nachvollziehbare Verfahren.“
Begutachtungsverfahren bieten zudem wertvolle Impulse zur
Weiterentwicklung von Studienangeboten. Sie dauern in der Regel etwa
sechs Monate – ein angemessener Zeitraum angesichts der langfristigen
Bedeutung akademischer Ausbildung.
Vor diesem Hintergrund appelliert die AQ Austria an alle
Beteiligten, insbesondere an die FHK, die gemeinsame Verantwortung
für die Qualität von Hochschulbildung im Allgemeinen und von
Studiengängen im Besonderen wahrzunehmen. Schlanke Verfahren und
institutionelle Eigenverantwortung schließen einander nicht aus,
sondern ergänzen sich sinnvoll und schaffen in Österreich und in
Europa anerkannte Studienangebote und -abschlüsse.
Die rechtliche Grundlage bildet das Hochschul-
Qualitätssicherungsgesetz (HS-QSG) von 2011. Es definiert Aufgaben,
Strukturen und Instrumente der externen Qualitätssicherung. Je nach
Hochschulsektor kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz – von
institutionellen Audits bis zur Begutachtung einzelner Studiengänge.
Diese Programmakkreditierung an Fachhochschulen stellt sicher,
dass bereits die ersten Studierenden von hoher Qualität profitieren.
Sie erfolgt einmalig und bezieht die Perspektiven unabhängiger Expert
*innen aus Wissenschaft, Praxis und Studierendenschaft ein.
„Qualität entsteht im Zusammenspiel unterschiedlicher
Perspektiven. Genau das gewährleistet die Programmakkreditierung.“
Als nationale Qualitätssicherungsagentur ist die AQ Austria gemäß
gesetzlichem Auftrag für die externe Qualitätssicherung
hochschulischer Bildungseinrichtungen in Österreich zuständig – in
einem europäischen Rahmen. Die Agentur hat ein breit gefasstes
Aufgabenspektrum: Die Durchführung von Qualitätssicherungsverfahren (
Akkreditierungen, Audits, Evaluierungen), die Erstellung von Studien
und thematischen Analysen, die Information und Beratung zu Fragen der
Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung sowie die internationale
Zusammenarbeit im Bereich der hochschulischen Qualitätssicherung.
Mit 149 Begutachtungs- und Meldeverfahren hat die AQ Austria 2025
in den unterschiedlichen Sektoren zur Qualität der Studienangebote,
sowie die Qualität von Lehre und Forschung in Österreich beigetragen
– im Sinne der Studierenden, der Partner*innen der Hochschulen, der
zukünftigen Arbeitgeber*innen und vor allem im Sinne der
Gesellschaft.