Wirtschaft

Von Redaktion

Chemieindustrie am Abgrund: Europas Wirtschaft in Gefahr?

Alarmierende Studie: Europas Chemieindustrie in der Krise

Am 28. Januar 2026 veröffentlichte der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) eine aufrüttelnde Pressemitteilung, die auf eine massive Krise in der europäischen Chemieindustrie hinweist. Eine umfangreiche Studie im Auftrag des europäischen Chemieverbandes Cefic zeigt, dass rund 9 % der Chemieproduktionsstätten in der EU vor dem Aus stehen. Neue Investitionen stagnieren nahezu vollständig, mit einem Rückgang von über 86 % zwischen 2022 und 2025. Diese Entwicklungen sind ein unmissverständliches Warnsignal für die politische und wirtschaftliche Stabilität der EU.

Die Chemieindustrie als tragende Säule

Die chemische Industrie ist eine der wichtigsten Branchen Europas. Sie liefert Vorprodukte für rund 96 % aller in der EU hergestellten Waren und bildet somit das Rückgrat der industriellen Wertschöpfungsketten. Ulrich Wieltsch, Obmann des FCIO, betont: „Wenn Chemie-Standorte schließen oder Investitionen ausbleiben, betrifft das nicht eine einzelne Branche – es bricht das Fundament der europäischen Industrie weg.“

Österreich unter Druck

Die Auswirkungen der europäischen Entwicklung sind in Österreich bereits deutlich spürbar. Die heimische Produktion chemischer Erzeugnisse ist in den letzten drei Jahren um rund 18 % zurückgegangen. Eine FCIO-Mitgliederumfrage zeigt, dass etwa ein Drittel der Unternehmen ihre Investitionen zurückfahren musste. „Diese Zahlen machen deutlich, dass der Standort Österreich zunehmend an Attraktivität verliert“, warnt Wieltsch.

Schleichende Deindustrialisierung Europas

Die Studie zeichnet ein düsteres Bild: Hohe Energiepreise, steigende Standortkosten, regulatorische Unsicherheit und fehlende Investitionsperspektiven führen dazu, dass Unternehmen Europa zunehmend meiden. Standortschließungen und Investitionsverschiebungen werden zum strukturellen Muster. „Europa verliert Schritt für Schritt seine industrielle Basis und das ausgerechnet in einer Phase, in der Resilienz und Versorgungssicherheit politisch beschworen werden“, kritisiert Wieltsch.

Ohne Chemie keine Transformation

In Zeiten von Dekarbonisierung und geopolitischen Unsicherheiten ist eine starke chemische Industrie unverzichtbar. Sie ermöglicht Schlüsseltechnologien, sichert Versorgungsketten und macht wirtschaftliche Resilienz erst möglich. „Ohne Chemie gibt es keine Transformation, keine industrielle Souveränität und keine Versorgungssicherheit“, stellt Wieltsch klar.

Historische Parallelen und Vergleiche

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Chemieindustrie in Europa schon einmal vor großen Herausforderungen stand. In den 1970er Jahren, während der Ölkrise, mussten viele Unternehmen ihre Produktionsprozesse anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Damals wie heute waren hohe Energiepreise ein zentrales Problem. Doch während Europa damals mit Innovationen und technologischen Fortschritten reagierte, scheint heute die politische Entschlossenheit zu fehlen.

Österreich ist im Vergleich zu anderen EU-Ländern besonders stark betroffen. Während Länder wie Deutschland und Frankreich durch staatliche Förderprogramme und Investitionen in Forschung und Entwicklung gegensteuern, hinkt Österreich hinterher. Dies könnte langfristige Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit des Landes haben.

Konkrete Auswirkungen auf Bürger

Die Krise in der Chemieindustrie hat nicht nur wirtschaftliche, sondern auch soziale Folgen. Die Branche beschäftigt in Österreich über 50.000 Menschen. Ein Rückgang der Produktion und Investitionen könnte zu Arbeitsplatzverlusten führen und die wirtschaftliche Stabilität vieler Familien gefährden. Darüber hinaus sind chemische Produkte in nahezu allen Lebensbereichen präsent, von Medikamenten über Kunststoffe bis hin zu Düngemitteln. Ein Rückgang der Produktion könnte zu Engpässen und steigenden Preisen führen.

Expertenmeinungen und Zukunftsausblick

Dr. Lisa Sommer, Wirtschaftsexpertin an der Universität Wien, warnt: „Wenn die Politik nicht schnell handelt, könnte Europa eine Deindustrialisierung erleben, die Jahrzehnte brauchen wird, um rückgängig gemacht zu werden.“ Sie fordert gezielte Maßnahmen zur Unterstützung der Chemieindustrie, darunter steuerliche Anreize, Investitionen in erneuerbare Energien und den Abbau bürokratischer Hürden.

Die Zukunft der europäischen Chemieindustrie hängt maßgeblich von der politischen Entschlossenheit ab. Internationale wettbewerbsfähige Energiepreise, Investitionssicherheit, regulatorische Verlässlichkeit und echter Bürokratieabbau sind entscheidend, um die Branche zu stabilisieren. „Die Zahlen sprechen eine klare Sprache“, warnt Wieltsch abschließend. „Entweder die Politik handelt jetzt, oder die Industrie entscheidet dauerhaft anders.“

Fazit: Handlungsbedarf für die Politik

Die Chemieindustrie ist das Rückgrat der europäischen Wirtschaft. Die aktuellen Entwicklungen sind ein Weckruf für die Politik, schnell und entschlossen zu handeln. Es bleibt keine Zeit mehr für Ankündigungen. Die Zukunft der europäischen Industrie und die wirtschaftliche Stabilität der EU stehen auf dem Spiel.