Edelmann/Gorlitzer: Kein Aufbruch, sondern Stillstand mit Ansage

Wien (OTS) – In der gestrigen Debatte zum Entwurf des
Budgetvoranschlages für das
Jahr 2026 im Wiener Gemeinderat üben Gemeinderätin Judith Edelmann,
Kultursprecherin der Wiener Volkspartei, und Gemeinderat Michael
Gorlitzer, Wissenschaftssprecher der Wiener Volkspartei, scharfe
Kritik am Budgetkurs der SPÖ-Neos-Stadtregierung. Aus Sicht der
Wiener Volkspartei fehlt dem Budgetvoranschlag 2026 eine klare
strategische Linie für Kultur und Wissenschaft, stattdessen
dominieren Kürzungen, Gebührenerhöhungen und massive
Transparenzdefizite.

Zwtl.: Kultur braucht Identität, Verlässlichkeit und Transparenz

Kultursprecherin Judith Edelmann ortet im Kulturbudget 2026 einen
gefährlichen Verlust an kultureller Identität und Planungssicherheit.
„Wien ist das einzige Bundesland ohne eigene Landeshymne – in der
Weltstadt der Musik sollte ein solches Kultursymbol von Menschen
geschaffen werden und nicht von künstlicher Intelligenz“, betont
Edelmann. Eine offizielle Wiener Landeshymne, komponiert und getextet
von Wiener Künstlerinnen und Künstlern, wäre ein starkes Zeichen für
Identität, Wertschätzung und kulturelle Bildung.

Besonders kritisch sieht Edelmann auch die Entwicklung bei den
Wiener Musikschulen. „Die Nachfrage ist in zehn Jahren um rund 60
Prozent gestiegen, doch ein Viertel der angemeldeten Kinder bekommt
keinen Platz – gleichzeitig steigen die Gebühren um rund 30 Prozent“,
so Edelmann. Musikalische Bildung dürfe nicht vom Geldbörsel der
Eltern abhängen, sondern müsse für alle Kinder zugänglich bleiben.

Zwtl.: Kulturbudget mit vielen offenen Fragen

Große Sorgen bereiten Edelmann die zunehmenden Intransparenzen
bei zentralen Kulturprojekten. „Beim geplanten Wiener Kultur-Euro
fehlen bis heute konkrete Zahlen: Wie hoch sind die Einnahmen, wohin
fließen sie und wer entscheidet darüber“, kritisiert Edelmann. Diese
Unsicherheit treffe vor allem die freie Szene.

Auch beim Kultursommer Wien fordert die Kultursprecherin endlich
Klarheit. Trotz eines Budgets von rund vier Millionen Euro fehle
weiterhin eine nachvollziehbare Darstellung der Mittelverwendung –
und das in einer Zeit, in der an anderer Stelle massiv gekürzt werde.
„Es ist nicht erklärbar, warum etwa das Sommernachtskonzert der
Wiener Philharmoniker – ein weltweites Aushängeschild für Wien –
komplett gestrichen wird, während andere Großformate unangetastet
bleiben“, so Edelmann. Ebenso kritisch sei die ersatzlose Streichung
des Altstadterhaltungsfonds, die den Schutz historischer Bausubstanz
und den UNESCO-Weltkulturerbe-Status Wiens gefährde.

Zwtl.: Wissenschaft wird verwaltet statt gestaltet

Wissenschaftssprecher Michael Gorlitzer sieht im
Budgetvoranschlag 2026 ein alarmierendes Signal für den
Wissenschaftsstandort Wien. „Im gesamten Voranschlag gibt es nur eine
Maßnahme im Bereich Wissenschaft – und die ist eine Kürzung um 2,5
Prozent“, hält Gorlitzer fest. Während internationale Städte trotz
schwieriger wirtschaftlicher Lage gezielt in Forschung investieren,
fehle Wien jede Zukunftsvision.

„Kein Wort zur Nachwuchsförderung, kein Konzept für
internationale Talente und keine Strategie, wie Wien im Wettbewerb
mit anderen Wissenschaftsstandorten bestehen will“, kritisiert
Gorlitzer. Real betrachtet seien die wissenschaftsbezogenen
Förderungen inflationsbereinigt bereits seit Jahren rückläufig – mit
spürbaren Folgen für Qualität und Substanz der
Forschungseinrichtungen.

Besonders problematisch sei auch die kurzfristige Projektlogik:
„Wissenschaft braucht Planungssicherheit über mehrere Jahre – dieses
Budget bietet stattdessen Ankündigungspolitik ohne Struktur“, so
Gorlitzer. Museen, Archive und Bibliotheken würden ihrer Forschungs-
und Vermittlungsaufgabe nur eingeschränkt nachkommen können, wenn
Digitalisierung, Personal und langfristige Fördermodelle fehlen.

Abschließend halten Edelmann und Gorlitzer gemeinsam fest: „Der
Budgetvoranschlag 2026 steht für Stillstand statt Aufbruch. Die SPÖ-
Neos-Stadtregierung kürzt bei kultureller Bildung und Wissenschaft,
erhöht Gebühren und Abgaben und lässt Transparenz und
Zukunftsstrategie vermissen. Wien lebt von seiner kulturellen
Identität und seiner wissenschaftlichen Exzellenz – beides darf nicht
zum Nebenprodukt werden. Aus Verantwortung für den Kultur- und
Wissenschaftsstandort Wien lehnt die Wiener Volkspartei dieses Budget
ab.“