Grit Ebner: eine Pionierin wird 90

Wien (OTS) – Mutig, tatkräftig, voranschreitend: Diese und mehr
Eigenschaften
zeichnen Grit Ebner aus, die den Verein aktion leben österreich von
1976 bis Ende 1990 als Generalsekretärin aufbaute und von 1995 bis
2001 als Präsidentin in die Zukunft führte. Der Staat dankte ihr mit
dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Zwtl.: Am Anfang war die Idee

Ihr wichtigstes Anliegen war der Aufbau der Schwangerenberatung.
„Am Anfang gab es außer der Idee über die künftige Arbeit nichts,
aber schon gar nichts“, erzählte Grit Ebner über diese Zeit. Ohne ihr
großes Gottvertrauen, wie sie immer betonte, wäre das nicht möglich
gewesen. Aufgrund von Informationen in Wiener Straßenbahnen mit der
Telefonnummer von aktion leben kamen die ersten Frauen in die
Beratung, die ersten Spenden kamen von Privatpersonen und später
durch Erlagschein-Beilagen. Finanzielle Abhängigkeit wollte die
gebürtige Wienerin immer vermeiden und stattdessen durch höchste
Qualität der Arbeit Spenderinnen und Spender überzeugen. Dies ist bis
heute Basis der Tätigkeit von aktion leben österreich .

Zwtl.: „Eine Beratungsstelle darf keine Überredungsstelle sein“

Die Beratung sollte, so ihre Überzeugung, nie manipulieren. Sie
sollte ergebnisoffen durchgeführt werden. So sagte sie: „ Die Frau (
das Paar), die (das) Beratung in Anspruch nimmt, muss Gewissheit
haben, als Mensch ernst genommen zu werden und sich nicht der Gefahr
der Manipulation auszuliefern. Eine Beratungsstelle darf nicht eine
Überredungsstelle sein wollen. “

Zwtl.: Standortbestimmung zur Fristenregelung

Unter ihrer Federführung verabschiedete die aktion leben 1989 die
sogenannte Standortbestimmung, in der der Verein die Fristenregelung
akzeptierte und auf Hilfe und Bewusstseinsbildung setzte. Dadurch und
durch Informationen über Methoden der Verhütung sollte es zu
möglichst wenig Schwangerschaftsabbrüchen kommen. Grit Ebner führte
zudem sehr früh die Beratung nach einem Abbruch ein, um den Frauen
„geschulte Hilfen“ bei der Aufarbeitung anbieten zu können.

Zwtl.: Vorgeburtliche Beziehung: Wissen nach Österreich gebracht

Viele Themen, mit denen sich aktion leben heute beschäftigt, hat
Grit Ebner initiiert. Sie war es, die bereits vor Jahrzehnten in den
USA Pioniere der prä- und perinatalen Psychologie kennenlernte, sich
mit der neu gegründeten Fachgesellschaft ISPPM (Internationale
Studiengesellschaft für Prä- und Perinatale Psychologie und Medizin)
vernetzte und dieses Wissen in Österreich verbreitete. 1988 gab
aktion leben ihre erste Broschüre zur pränatalen Psychologie heraus:
„Im Zwiegespräch – Beziehung zwischen Mutter und Kind vor und bei der
Geburt.“ Die Beratung profitierte enorm von diesem Wissen und die
frühe Beschäftigung mit der Pränatalen Psychologie ermöglichte aktion
leben , als eine der ersten den enormen Wert der „Bindungsanalyse –
vorgeburtliche Beziehungsförderung“ für die Begleitung von
schwangeren Frauen zu erkennen.

Zwtl.: Menschenwürde ist unteilbar

Grit Ebner war überzeugt, dass Menschenwürde unteilbar ist und
auch den ungeborenen Menschen zukommt. Daher beschäftigte sich aktion
leben unter ihrer Führung mit modernen Fortpflanzungstechniken, aber
auch mit damals noch utopisch wirkenden Techniken: etwa der
Genmanipulation am Embryo oder der Leihmutterschaft. Grit Ebner
warnte davor bereits Anfang der 1980er Jahre.
Als Präsidentin veranlasste sie die erste Broschüre zum Thema
Pränataldiagnostik und informierte mit aktion leben über deren
selektiven Charakter. Um Frauen und Paare bestmöglich begleiten zu
können, gelang es ihr, mit dem Bundesministerium für Familien ein
Curriculum für Beratung rund um Pränataldiagnostik einzuführen.

Zwtl.: Erfolgreiche Bürgerinitiativen

Initiativen unter ihrer Führung waren weiters die Organisation
mehrerer Bürgerinitiativen, zum Beispiel im Jahr 1997 „Bevor es zu
spät ist“. Über 100.000 Bürgerinnen und Bürger unterstützten die
weitblickende Forderung nach einem Verbot des Klonens. Zahlreiche
Tagungen zur Schwangerenberatung, zum Thema Leben mit Behinderung,
zur Bioethik trugen zur Kompetenzerweiterung von Fachkräften und
Interessierten bei. Dazu gehörten: „Behinderte Menschen an unserer
Seite – Integration statt Isolation“ im Jahr 1990 oder „Der (Alp)
Traum vom perfekten Menschen“ 1997. Seit 1978 feiert aktion leben den
Tag des Lebens, eine weitere Idee von Grit Ebner.

Zwtl.: Republik dankt für „differenzierte Auseinandersetzung“

Anlässlich ihres 60. Geburtstags ehrte die Republik Österreich
den Einsatz von Grit Ebner für die aktion leben mit der Verleihung
des „Silbernen Ehrenzeichens“. Gewürdigt wurden besonders ihre großen
Verdienste „um eine differenzierte Auseinandersetzung“ mit dem Thema
Schwangerschaftsabbruch.

Zwtl.: „Hoffnung weitergeben“

„ Grit Ebner war in vielem Pionierin und verfügt über die Gabe
des mutigen Vorausschauens. Die Gleichstellung der Frauen war ihr
stets ein Anliegen. Unser Verein profitiert nach wie vor von ihrer
Weitsicht, ihrer Menschlichkeit und ihrem Engagement “, betont
Martina Kronthaler, Generalsekretärin von aktion leben österreich
seit 2007. „ Wir gratulieren und danken Grit Ebner herzlich und
handeln nach Kräften entsprechend einer ihrer wichtigen Maximen:
Hoffnung weitergeben! “ Ein Foto Grit Ebners ist auf
www.aktionleben.at bereitgestellt.