Armutskonferenz bei Bundespräsident Van der Bellen: 30 Jahre Einsatz und Engagement

Wien (OTS) – Armutskonferenz: „Dauerhafte Armut bei steigendem
Reichtum ist kein
Naturgesetz“. Herausforderungen „Wohnen, Gesundheit, Schule,
Mitbestimmung“.

Auch in Österreich ist „Armut und soziale Ungleichheit eine
Realität“, umso wichtiger seien „umfassende Maßnahmen zur Bekämpfung
und Vermeidung von Armut“, betonten Mitglieder des Netzwerks
„Armutskonferenz“ bei einem Besuch in der Wiener Hofburg. Der
Bundespräsident würdigte den Einsatz und das Engagement der
Armutskonferenz in den letzten 30 Jahren.

Vor 30 Jahren formierte sich eine bunte Koalition von
zivilgesellschaftlichen Kräften zum jetzigen Netzwerk
Armutskonferenz. Die Armutskonferenz ist seither als Netzwerk von
über 40 Initiativen aus sozialen Organisationen,
Selbsthilfeinitiativen, Wissenschaft, Bildungseinrichtungen und
Armutsbetroffenen aktiv. Die in der Armutskonferenz
zusammengeschlossenen sozialen Organisationen beraten, unterstützen
und begleiten über 500.000 Menschen im Jahr. Im November 1995 erhoben
hunderte Menschen aus dem Sozialbereich das erste Mal ihre Stimme, um
gemeinsam die zentralen Fragen an Politik und Gesellschaft zu
stellen: Wie Wohnungslosigkeit und Energiearmut verhindern, wie den
Chancentod bei Kindern bekämpfen, wie einen bürgerfreundlichen
Vollzug auf den Ämtern sicherstellen, wie Beschämung angehen, wie
Prekarität im Alter und armutsbedingte Erkrankungen vermeiden? Zu den
Mitbegründern der Armutskonferenz damals gehörten u.a. das
Bildungshaus St.Virgil, Caritas, Diakonie, Europäisches Zentrum für
Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung, Bundesarbeitsgemeinschaft
Wohnungslosenhilfe, Schuldenberatungen, Neustart (damals noch
Bewährungshilfe), Frauenhäuser, Plattform der Alleinerziehenden,
Vereinigte Arbeitsloseninitiativen, Evangelische Akademie,
Katholische Sozialakademie, ÖGB, Frauen- und Mädchenberatungsstellen,
SOS Mitmensch und Volkshilfe.

Zwtl.: Gegensteuern

„Wachsende Kosten in den zentralen Positionen Wohnen, Energie und
Ernährung machen große Probleme, gesundheitliche Beeinträchtigungen
und psychische Erkrankungen, schlechte und prekäre Jobs, Einsamkeit
und Beschämung machen einer großen Zahl von Menschen zu schaffen“,
macht Martin Schenk, vor 30 Jahren Mitbegründer, auf aktuelle
Herausforderungen aufmerksam. „Dauerhafte Armut ganz unten bei
steigendem Reichtum ganz oben ist kein Naturgesetz. Es gibt genügend
Instrumente und Möglichkeiten in der Budgetpolitik, der Schule, beim
Wohnen, bei Energie und mit sozialen Dienstleistungen gegenzusteuern.
Die Kürzungen in den Bundesländern und die beschämende Debatte zur
Sozialhilfe in Österreich gehen in die falsche Richtung“.

Zwtl.: Schützt und stützt die Mitte

Sozialleistungen tragen entscheidend zum sozialen Ausgleich bei
und wirken armutspräventiv. Sie reduzieren die Armutsgefährdung von
43% auf rund 15%. Am stärksten wirken Arbeitslosengeld,
Notstandshilfe und Mindestsicherung sowie Wohnbeihilfe. Auch der
soziale Wohnbau, Gesundheits- und Bildungsmaßnahmen haben eine
kräftige – auch präventive – Wirkung gegen Armut. “Die Mitte ist dort
weniger gefährdet, wo es ein starkes Netz sozialer Sicherheit gibt”,
hält die Armutskonferenz fest. “Die untere Mitte hat kein Vermögen um
Einschnitte wie Krankheit oder Arbeitslosigkeit einfach aufzufangen.
Und wäre sie gezwungen Vermögen für Alter, Bildung, Krankheit oder
Arbeitslosigkeit anzusparen, wäre ihr Lebensstandard und ihr
Konsumniveau vernichtet. Die Mitte ist dort weniger gefährdet, wo es
ein starkes Netz sozialer Sicherheit gibt. Das muss gerade in Krisen
halten”.

SERVICE – 30 Jahre Armutskonferenz