Wien (OTS) – Am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen wird
sichtbar, wie tief
Gewalt gegen Frauen in gesellschaftlichen Strukturen verankert ist.
Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) betont,
wie wichtig Prävention dort ansetzt, wo Mädchen und Frauen lernen,
ihren Gefühlen zu vertrauen, besonders jener Emotion, die ihnen am
häufigsten abtrainiert wird: Wut.
Von Mädchen wird vielfach erwartet, angepasst zu sein, Rücksicht
zu nehmen und Konflikte zu vermeiden. Weibliche Wut gilt oft als
unangemessen oder übertrieben. Dabei ist Wut eine grundlegende
menschliche Emotion und ein wichtiges inneres Warnsignal. Sie zeigt,
wenn etwas nicht stimmt, Grenzen überschritten werden oder Gefahr
besteht. Wird dieses Gefühl dauerhaft unterdrückt, kann das die
Fähigkeit beeinträchtigen, Unstimmigkeiten wahrzunehmen, Grenzen zu
setzen und Übergriffe frühzeitig zu erkennen.
„Wut ist kein Fehlverhalten, sondern ein Kompass. Wenn junge
Mädchen lernen, dass ihre Wut legitim ist und dass sie Nein sagen
dürfen, stärkt das ihre Selbstbestimmung und schützt sie vor Gewalt“,
sagt ÖBVP-Präsidiumsmitglied Ines Gstrein . „Wir sollten uns von der
Vorstellung lösen, dass „brave Mädchen“ stillhalten. Mädchen und
Frauen brauchen Räume, in denen sie ihre Emotionen ausdrücken,
verstehen und konstruktiv nutzen können. Das ist gelebte Prävention.“
Die psychischen Folgen von Gewalt, etwa Angststörungen,
Depressionen oder Traumafolgestörungen, reichen oft weit über das
unmittelbare Erleben hinaus. Viele Frauen tragen die Belastungen über
Jahre hinweg; Kinder, die Gewalt miterleben, sind in der Regel
ebenfalls betroffen. Internationale Erhebungen zeigen, dass jede
dritte Frau im Laufe ihres Lebens physische oder sexualisierte Gewalt
erfährt.
„Als Gesellschaft dürfen wir nicht zulassen, dass Frauen lernen,
ihre eigenen Alarmzeichen zu ignorieren. Wut ist ein Warnsignal, und
Warnsignale verdienen Aufmerksamkeit“, betont ÖBVP-Präsidentin
Barbara Haid . „Hinschauen statt wegschauen gilt auch im Inneren: für
das, was nicht stimmig ist, und für das, was sich nach Gefahr
anfühlt.“
„Wut ist kein Risiko, sondern eine Ressource. Wenn Frauen lernen,
dass ihre Stimme zählt, entsteht jene Form von Selbstwirksamkeit, die
Schutz, Orientierung und Veränderung ermöglicht“, fasst Gstrein
zusammen.
Zum 25. November lädt der ÖBVP dazu ein, das Tabu rund um
weibliche Wut zu hinterfragen und emotionale Selbstbestimmung als
wichtigen Bestandteil im Schutz vor Gewalt zu verstehen – für eine
Gesellschaft, in der Frauen sicher, selbstbestimmt und frei von Angst
leben können.